Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 15.1892

Seite: 85
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\U letztes ausschlaggebendes Moment kommt nun die neue Urkunde
hinzu durch welche über jeden Zweifel festgestellt wird, dass der ordent-
liche Anfang des compitalen Jahres und damit auch der regelmäßige
Antrittstag der Magistri in der ersten Hälfte des entsprechenden
Kalenderjahres, also wohl auf den 1. Januar anzusetzen ist. Als eine
Bestätigung dafürkann schließlich noch die Thatsache angeführt werden,
dass das Hauptfest der Vici, die ludi compitalicii, wie schon zur Zeit
der Republik (Cicero in Pison. 4? 8 cum in kahndas Ianuarias com-
pitaliorum dies incidisset), so auch in der neuen augustischen Organi-
sation in den Anfang des bürgerlichen Jahres (3. bis 5. Januar) fällt.

Wien A. v. PKEMERSTEIN

Gewichtstücke aus Dalmatien

Der Verlauf einer metrologischen Untersuchung veranlasste mich,
einige Gewichtsstücke des k. k. Museums zu Spalato, in denen ich be-
stimmte Typen vermuthete, zu untersuchen. Ich erhielt durch die
außerordentliche Gefälligkeit des hochverdienten Directors dieses Mu-
seums, des Msgr. Bulic, nicht bloß Auskunft, sondern er schickte mir
überdies aus freien Stücken die ganze Sammlung der im Museum be-
findlichen Gewichte nach Wien und stellte mir die nöthigen Notizen
über Zeit und Ort ihrer Auffindung zusammen. Ich glaube diese dan-
kenswerte Gefälligkeit dazu benützen zu sollen, um über jene Gewicht-
stücke von Spalato, die bei gleicharmigen Wagen zur Anwendung ge-
langten, genauer zu berichten. Die folgende Beschreibung, die ich nur
ungern ohne Angabe über das Volumen lasse, ist lediglich als Beitrag
zu einem Corpus ponderum gedacht, zu dessen Ausführung es über
kurz oder lang kommen muss,x) und deshalb enthalte ich mich aller
bestimmten Vorschläge für eine Terminologie, so eng begrenzt das Ge-
biet ist, auf dem sie sich bewegen müssten.2) Dass wir noch nicht
zu jener Terminologie vorgeschritten sind, liegt hauptsächlich daran,
dass die Gewichte der einzelnen Sammlungen selten zureichend beschrie-
ben worden sind; sie kann nur als Frucht einer umfassenden Ver-
gleichung und Sichtung der Gewichte mit Aufschriften erwachsen, die
auch ihren Formen und Typen gerecht werden muss, um eine sichere
Basis für die Beurtheilung und nutzbringende Verwendung der schrift-

x) Während der Drucklegung erfahre ich, dass wirklich die Vollendung einer
solchen Sammlung bereits in Angriff genommen worden sei.

2) Denn, soweit ich die einzelnen Stücke bestimmen kann, beziehen sie sich
dnrobgehends auf das röm. Pfund und seine Theile als Einheiten.
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