Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 15.1892

Seite: 117
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trennenden Striche Äpeiou u[nvöc; zu ergänzen, so wird anzunehmen sein,
dass die Inschrift nach Monaten geordnete Posten, wie es scheint gewisse
Zahlungen und Empfänge betreffend, enthalten hat. Die betheiligten
Personen sind mit ihrem Namen, dem Vatersnamen und der Heimats-
bezeichnung genannt; darnach lässt sich die Länge der Zeilen unge-
fähr, wenigstens das kleinste denkbare Ausmaß derselben, ermessen,
da Z. 5/6 vor In war] von c; mindestens zwei Namen und die Endung des
vorangehenden Demotikon, Z. 7 ebenfalls mindestens zwei Namen vor
eK Kujfißpou, endlich Z. 7/8 nach EuYeiTuuv Vatername und Demotikon
gestanden haben müssen. Z. 3 ist von Erben, Z. 10 von Nachkommen
die Rede. In Kivk — Z. 2 steckt ein sonst nicht bekanntes Demotikon;
Z. 5 ist EiXuuvieuc; gesichert, ebenso Z. 7 &k Kujußpou nach Z. 18. 21 der
Inschrift von Artemision. Z. 6 ist neben Zr|uuüvör|c; auch Keuuvön,c;, wie
in dem von mir mitgetheilten Psephismenpraescripte, möglich.

Über die Lage wenigstens einiger von den vielen Ortschaften des
zu Histiaia gehörigen Theiles von Euboia, welche uns die Inschriften
kennen gelehrt haben, hoffe ich bei neuerlichen Wanderungen auf der
Insel durch Erkundigung beim Volke Näheres ermitteln zu können.
Gerade auf Euboia haben sich alte Ortsnamen mit merkwürdiger
Zähigkeit bis auf unsere Tage erhalten. Nicht nur in den Namen
der auch heute noch wie im Alterthum besiedelten Stätten, sondern
auch, und diese sind schwieriger in Erfahrung zu bringen, als
Bezeichnungen unscheinbarer Ortlichkeiten, der vielerlei 0eö"ei<;, oft genug
einer ganz abgelegenen, jetzt nur von Hirten besuchten Gegend. Ein
lehrreiches und neues Beispiel: unter den Komen Südeuboias, welche
durch die Inschriften von Eretria bekannt sind, erscheint auch eine
Namens ArfXeqpeipn.. Noch heute heißt ^AyXecpipa im Munde des Volkes ein
einsames schönes Gebiet des waldigen Südabhanges des KotuXcüov öpoq
nordöstlich über Vathya unweit des hoch über der Ebene gelegenen
Klosters des heiligen Nikolaos.

Die Liste6) selbst enthält die Namen von 32 im Auslande zu
Proxenen von Histiaia ernannten Personen. Dieselben sind durch-
gehends mit ihren Namen, dem Vatersnamen und der Heimatsangabe
bezeichnet; ein einziges Mal Z. 31 ist aus einem nicht kenntlichen
Grunde die letztere nicht eingemeißelt. Die Aufschreibung ist eine
durchaus einheitliche, wird also am Ende des Jahres, nach welchem sie

6) Zu den von P. Monceaux, Les proxenies grecques 1885, 50 ff verzeichneten
inschriftlich erhaltenen Proxenenlisten ist Nikitsky Ath. Mitth. X 101 hinzugekommen
und Samothrake nachzutragen. In dem Volksbeschlusse, welcher der Proxenenliste
von Keos Ath. Mith. IX 271 (dazu von Wilamowitz lect. epigr. 11) vorangeht, wird
übrigens Z. 4 vermuthlich iv efiQijvrjJt zu lesen und eine bekannte Formel herzu-
stellen sein.
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