Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 15.1892

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Foucart hat die Gruppe Archiadas-Eudokos-Straton in die zweite
Hälfte des dritten Jahrhunderts, Wescher Etüde sur le monument
bilingue de Delphes 147 ff. die beiden Archonten Damosthenes und
Archiadas zwischen 279 und 221 gesetzt. Ohne Kenntnis, der Steine
und in der Chronologie der schwer zu überblickenden delphischen
Urkunden nur ungenügend bewandert, vermag ich nicht zu beurtheilen,
wie weit andere Gründe gestatten oder zwingen jene Inschriften hinauf-
zurücken; darauf angewiesen meine Ansätze zunächst auf Vermuthungen
über die Geschichte der delphischen Amphiktionie zu bauen, halte ich
mit ihnen zurück, umsomehr als es sich um Fragen handelt, welche
wir Dank den bevorstehenden französischen Ausgrabungen in Delphi
über kurz oder lang urkundlich gelöst zu sehen hoffen dürfen. Jeden-
falls scheint der vorgeschlagenen Identificierung der beiden Eupuac;
nichts entgegenzustehen.

Den vorstehenden Erwägungen zufolge wird die Proxenenliste
von Histiaia ungefähr in die Mitte des dritten Jahrhunderts, wenn ein
Jahr genannt werden soll, um 260 v. Chr. zu setzen sein. Andere
sichere Anhaltspunkte außer den erwähnten habe ich der Inschrift
trotz manchen Suchens nicht abzugewinnen vermocht; bemerkt sei,
dass die beiden athenischen Proxenoi, wie mir E. Kirchner bestätigt
hat, aus attischen Inschriften nicht nachzuweisen sind. Doch mögen
sich noch Beziehungen entdecken lassen, welche die Zeit, der die Ur-
kunde angehört, genauer zu begrenzen erlauben; bis dahin wird man
sich mit der von mir versuchten Bestimmung begnügen müssen.

Athen, October 1891 ADOLPH WILHELM

Inschriften aus Poetovio

Bei den Ausgrabungen, welche ich im Auftrage des steiermärkischen
Landesmuseums ,Joanneum' bei Unter-Haidin nächst Pettau an der
Stätte des römischen Poetovio unternahm, sind folgende zwei nicht
uninteressante Grabschriften zum Vorschein gekommen.

1) Cippus aus gelblichem krystallinischen Kalkstein, s. g. Bacherer
Marmor, oben dreieckig zugehauen; Gesammthöhe 1*705, Gewicht
390 kg. Die Vorderseite des oberen Theiles (h. 1*195, br. 0*54, dick
0*165), der einst aus der Erde herausragte, ist völlig glatt und
schmucklos; die Inschrift, bei welcher man deutlich die vom Stein-
metz zur Einhaltung der Geraden vorgerissenen Linien sieht, setzt in
einer Entfernung von 0*125 von der Spitze des Cippus an und reicht
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