Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 15.1892

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bis zum Abstände von 0'79 von derselben. Der darunter befindliche
Fuss (h. 051, größte Br. 0'56, dick c. 0*22) ist roh zugehauen, um
in den Erdboden eingelassen zu werden. Die Höhe der trefflich
erhaltenen Buchstaben, deren zierliche Form und schöner Schnitt das
Denkmal der ersten Hälfte des ersten Jahrhunderts zuweisen, nimmt
allmählich ab, von 0*07 in Z. 1 zu O046 in Z. 8. Gefunden bei
den Ausgrabungen des Joanneums am 3. October 1891 auf dem Acker
des Thomas Zupanic (vulgo Cvetko, wohnhaft Skorba Haus-Nr. 24)
an der Straße von Unter-Haidin gegen Schikola (Vulgärname ,v stuki')
in einer Tiefe von 1*1 m. Der Stein lag auf der rechten Seitenkante
in der Linie der römischen Strasse Poetovio - Celeia, welcher er die
Vorderseite zukehrte, etwa 10'5 m von der gegenwärtigen nahezu
parallel laufenden Strasse und ungefähr 84'75 m von der Ostgrenze des
Ackers entfernt. Etwa 0*5 m hinter dem Fuße des Cippus fand sich
in einer Tiefe von 1*3 ein Brandgrab mit Knochen-und Kohlenresten,
in demselben ein großer schwarzer Topf, mit einer rothen Gefäß-
scherbe bedeckt, worin ein kleines ,Thränenglas' lag, und einige
eiserne Nägel. Die Inschrift wie die Fundstücke aus dem zugehörigen
Grabe befinden sich gegenwärtig im Joanneum.

GCASSIVS'
OF'CELER*

A N IESISCR E
VETTLEGT VIIIT
5 AVGT AN XL'

H t S T E »
H*ET' TVCEH-
POSVERVNT

C. Cassius C. f(ilius) Celer Aniesis Cre(mona) vet(eranus) leg(ionis
octavae) Aug(ustae) an(norum) XL h(ic) s(itus) e(st). H(eredes) et Tuce
Kiberta) posuerunt.

Ein unbedeutender Schaden im Steine hat bewirkt, dass das untere
Ende beim V in Z. 7 etwas höher steht als bei den übrigen Buchstaben.

Die vorliegende Inschrift bestätigt neuerdings die von Mommsen
C. I. L. III S. 482 ausgesprochene Vermuthung, dass die legio VIII
Augusta etwa um die Zeit von Augustus' Tode bis unter Nero ihr
Standquartier bei Poetovio hatte; vgl. C. I. L. III 4060 (sieh diese
Mitth. XI S. 82 und Mitth. der C. C. XV S. 126, wo eine Abbildung
des Steines gegeben ist) eines (centvrio) leg(ionis) VIII Aug(ustae) und
die erst kürzlich gefundene Grabschrift Mitth. der G.-C. XVII (189J)
S. 130, 4 mit C. Servilius C. f. Ani(ensis) Crem(ona) mil(es) leg(ionis)
VIII Aug(ustae), equp.s, die gleichfalls an der römischen Straße bei
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