Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 15.1892

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nur etwa 2*25 m ostwärts von derselben entfernt, in einem Abstände
von ungefähr 8 m von der heutigen Straße. Die Platte lag mit der
beschriebenen Fläche nach abwärts in einer Tiefe von beiläufig 0'25 m
in der Linie der römischen Straße Poetovio Celeia, knapp vor den Über-
resten eines Sepulcralbaues, an dessen Vorderseite sie ohne Zweifel an-
gebracht war. Im Innern des Baues, der im Gevierte 4'05 zu 3*25 m
maß7 fanden sich verbrannte Gebeine von (zwei oder drei) Erwachsenen
und mindestens zwei Kindern, zahlreiche Thongefässe vom einfachsten
Topfe bis zur zierlichsten Terra-Sigillata-Schale, mehrere Lampen, zwei
kleine Schöpfgefässe aus Bronze, zwei Fibeln, eine Beinnadel, ein Spiegel-
griff, eine Meermuschel und andere kleinere Gegenstände. Reste des
Mörtelbewurfes zeigten rothe und gelbe Bemalung auf Stuckgrund.

Die Inschriftplatte und die wichtigsten Fundstücke wurden an
das Joanneum befördert.

DEVSOAGISI

F A^F*SIBI*ET*ADBVG
IO V N A E *AT NAM A TI *F
CON IVGDSVAE
5 PRIMIO'F*EOR-ANNV/&III

Ho S * E

Deuso Agisif(ilius) v(ivus)f(ecit) sibi et Adbugiounae Atnamatif(iliae),
coniugi suae. Pi imio fiilius) eorium) ann(orum) XXXIII h(ic) s(itus) e(st).

Die Inschrift ist bemerkenswert als die erste in der näheren
Umgebung von Poetovio gefundene, welche durch ihre Namen das
Fortbestehen eines keltischen Bevölkerungselementes beweist; bisher
waren in Poetovio und auf dem ager Poetovionensis nur Denkmäler
mit lateinischer Namengebung zum Vorschein gekommen. Übrigens
zeugt auch hier der .Name des Sohnes Primio (Z. 5) von der fort-
schreitenden Romanisierung der Gegend, die gerade um die Zeit, aus
welcher dieses Grabmal stammt, durch die Deduction der colonia Ulpia
Traiana Poetovio wesentlich gefördert wurde. Nicht ohne Interesse
sind die einzelnen Namen. Deuso kehrt wieder in C. I. L. III 5057.
5426 (vgl. Deusus C. I. L. III 5870, Deusa ebenda 5308. 5425);
Agisus steht nur noch C. I. L. III 5542 (vgl. auch Agisilus ebenda
6010 5. 6; Agisiaca Brambach C. I. Rh. 54). Während Atnamatus
(sonst immer Adnamatus geschrieben; vgl. Holder, Altceltischer Sprach-
schatz I Sp. 43) zu den häufiger vorkommenden Keltennamen gehört,
findet sich der Frauenname Adbugiouna nur noch einmal in etwas
anderer Form in der Inschrift bei Conze, Reise auf der Insel Lesbos
S. 19 f.; die darin geehrte [Äb]oßoYiujva ist nach G. Hirschfeld Hermes
14 (1879) S. 474 mit der Mutter des Mithridates von Pergamon, einer
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