Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 15.1892

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auf Gemmen (z. B. Müller - Wieseler Denkm. d. a. Kunst II Taf.
XXVIII 306 e. 308; Taf XXIX 316 a) zu tragen scheint; auch eine
Anpassung an Anubis wäre bei Apuleius (vgl. met. 775.776) nicht
undenkbar. Die Stelle kann also vorderhand nicht berücksichtigt
werden.

Dagegen sind aus den Denkmälern (von denen ich aber die
Gemmen absichtlich beiseite lasse) folgende Beispiele bekannt.

1. Zeichnung einer weißg rundigen Lekythos in
Jena; vgl. Verhandlungen der Philologenversammlung in Gera 1879
115; Preller - Robert griech. Mythologie4 I 404; Kern in „Aus der
Anomia" 94: Hermes steht mit Stab und Kerykeion bei einem Fasse,
vor dessen Öffnung, dem Eingange zur Unterwelt, die Seelen der Ver-
storbenen umherflattern. — Nach einer freundlichen Mittheilung des
Herrn Geh. Hofrath Prof. Gaedechens „flüchtig, doch aus der besten
Zeit griechischer Kunstübung."

2. Deckel des capitolinischen Endymionsarkophags;
abgebildet: Righetti I 54; Müller-Wieseler Denkm. d. alten Kunst IT
68, 858, wo aber der Stab fehlt; in der Beschreibung Roms III 1,
245 wird er hervorgehoben. Dass hier der Stab dem Hermes wieder
als dem Todtenführer eignet, geht nicht bloß aus der gleichzeitigen
Führung beider Attribute, sondern auch aus der Verbindung mit den
Moiren, Hades und Persephone hervor. Sehr ähnlich ist

3. die Darstellung eines Reliefst reifens der Hekate-
statue von Hermannstadt; zuletzt abgebildet und besprochen in
den arch.-epigr. Mitth. 1881 Taf. I. II, S. 195/6 (Petersen). Hermes hat
die gleiche Tracht: Chlamys, Flügelhut, Flügel auch an den Füßen,
das Kerykeion in der Linken, in der Rechten den Stab. Auch in-
haltlich scheinen beide Darstellungen zusammenzugehen; beidemale
steht dem Gotte die verschleierte Todte gegenüber, die hier überdies
durch die Bewegung der Linken Trauer andeutet. Einen Unterschied
bildet, dass Hermes ruhig steht, nicht schreitet; weniger, dass sein
rechter Arm nicht gesenkt, sondern etwa im rechten Winkel gebogen,
demgemäß auch der Stab nicht mehr gesenkt, sondern etwas erhoben
ist, wogegen die Haltung auch in diesen beiden Einzelheiten mit dem
Grabrelief von Bukarest übereinstimmt.

Hermes trägt in diesen Fällen das Kerykeion wie sonst, den
Stab als qjuxoTrouuoc;. Statt des Kerykeion tritt dann auch ein
anderes Attribut des Hermes neben dem Stabe auf, so auf einer

4. Ära in Verona. Dütschke Katal. d. ant. Bildw. in Ober-
italien V Nr. 970; Wieseler Göttinger Nachrichten 1874, 553 und
Göttinger Abhandlungen 1888: Archaeologische Beiträge I 11. Die
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