Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 15.1892

Seite: 147
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römische Amphora hat nun bekanntlich den Rauminhalt von 80 römischen
Pfunden.10) Demnach ist der olearius metretes gleich 2x/2 Amphoren.

Für die Unterabtheilungen des Metretes gibt der Tractat die
allgemeine, an sich vollkommen klare Bestimmung, dass das römische
Gewichtspfund zu der Mine (des Talentes auf welcher der Metretes
beruht) sich verhält wie der Rauminhalt des römischen Gewichts-
pfundes zur Kotyle (des Metretes). Diese Kotyle selbst wieder ist
die Hälfte eines Sextarius. Das Talent auf welchem der Metretes
beruht, ist nach den Eingangsworten a centenario principium habet -
diro tou KaXouuevou Kevrnvapiou dpxnv £xei gleich einem Centenarius. Die
Mine dieses Talentes ist also der 1I60 des Centenarius oder 20 römische
Uncen. Nun ist eine Mine von 20 Uncen als PiuuaiKf) uvä oder
'IraXiKn. uvd mehrfach bezeugt.11) Böckh12) hat richtig erkannt, dass
das Talent dieser Mine das römische Centumpondium ist, welches
man nach griechischer Art in 60 Minen theilte. Diese Mine liegt der
Vergleichung des Tractates zugrunde. Wie ein römisches Pfund
(von 12 Uncen) zu der Mine (von 20 Uncen) sich verhält, so verhält
sich der Rauminhalt eines römischen Pfundes zur Kotyle. Die Kotyle
hat demnach den Rauminhalt von 20 Uncen. Der Metretes aber von
dem Rauminhalte von 200 römischen Pfunden (— 2400 Uncen) hatte
120 Kotylen, oder, da der Sextarius in 2 Kotylen zerfällt, 60 Sextare.
Diese Sextare sind eine dem Metretes eigenthümliche Eintheilung und
nur der Name ist aus dem Römischen übertragen. Denn ein Metretes, der
2^ Amphoren betrug, enthielt nach römischer Eintheilung 120 römische
Sextare. Ein Metretes von diesem Rauminhalt ist aber wohl bekannt
unter dem Namen syrischer Metretes;13) seine Eintheilung konnte bis
jetzt nicht mit Sicherheit bestimmt werden, da die in der Tafel der
Kleopatra (Hultsch script. metr. I p. 236, 17) überlieferte Angabe: 6 öe
k(xt& Zupouc; ueipniri^ Hecrrujv <;', ItciXikujv pic' zweifellos verdorben ist.
Die Verbesserung Chartiers q' welche Hultsch angenommen hat, ent-
behrt der Begründung.14) Da, wie gezeigt wurde, der mit dem
syrischen Metretes identische metretes olearius 60 Sextare hielt, so ist
vielmehr £' zu verbesssern.

Diese Eintheilung des syrischen Metretes in 60 Theile beruht
gewiss nicht auf römischer Norm, sondern ist syrischen Ursprungs.
Em Talent, welches dem römischen Centenarius an Gewicht gleich ist,

10) Hultsch Metrologie S. 118.

11) Die Stellen Hultsch Script, metr. II p. 196 (unter ixvü 8).
X2) Metrologische Untersuchungen S. 300.

13) Hultsch Metrologie S. 584.

14) Sie führt dazu, dass man die Sabitha in ganz irrationaler Weise in 18
Theile theilte. Vgl. Hultsch Metrologie S. 585 ff.
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