Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 15.1892

Seite: 148
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kennen wir als das leichte babylonische Silbertalent.15) Auf dem
babylonischen Silbertalente wird also die Eintheilung des syrischen
Metretes beruhen; dadurch wird die Angabe des Tractates, dass die
Kotyle an Rauminhalt der Mine gleich ist, erst nach ihrer ganzen Trag-
weite verständlich. Das Talent, auf welchem der metretes olearius beruht,
ist das Doppelte des centenarius also das Doppelte des leichten babylo-
nischen Silbertalentes d. h, es ist das schwere babylonische Silber-
talent und der syrische Sextarius ist der Rauminhalt der Mine dieses
schweren babylonischen Silbertalentes.

Dieses Talent von dem Gewichte des Centenarius ist in Moesien
in der Kaiserzeit im Gebrauch gewesen, wie ein in der Donau bei
Widdin gefundenes Gewichtsstück zeigt. ™)

Es trägt das Zahlzeichen X und die Uberschrift legionis primae
Italic(ae). An den Rändern steht: Lucius Iulius Luciiianus leg(atus)
Augusti leg(ionis) I Ital(icae) pondera examinata sig(navit). Das
Gewicht des Normalmaßes beträgt 5558'05 gr., das Gewicht der Ein-
heit 558*8, also, wie Hultsch richtig bemerkt,17) bis auf eine Differenz
von 10 Gramm ebensoviel wie die auf 20 Uncen gestellte italische
Mine und genau ebensoviel wie die leichte Mine des babylonischen
Silbertalentes. Das XriKuuua von Kosovo zeigt jetzt, dass das dieser
Mine entsprechende Hohlmaß, der £eö"Tr|c; e\npÖ£, in Moesien ebenfalls
in Gebrauch war. Damit erhält die oben entwickelte Abhängigkeit
des Ölmaßes von dem italischen beziehungsweise babylonischen Talent
eine erwünschte Bestätigung.

Schon Böckh hat treffend vermuthet,18) dass diese Gleichung
des Centenarius mit einem Talent bis in die Zeit des Freistaates zurück-
reicht. Jetzt wo wir wissen, dass der Centenarius das Gewicht des
leichten babylonischen Silbertalentes darstellt, wird man dies bestimmter
aussprechen dürfen. Auch die Bezeichnung der Mine als uvd iTdXucr)
ist nach Mommsens geistvoller Darlegung über die Bedeutung des
Wortes italisch19) in der antiken Metrologie ein Beweis für den alten
Ursprung dieses Talentes. Man wird behaupten dürfen, dass die Glei-
chung des Centenarius mit dem babylonischen Silbertalent in die Zeit
zurückreicht, wo die Römer zuerst mit dem Osten in lebhaften Handels-
verkehr getreten sind, in welchem diese äußerst bequeme Gleichung
ihnen die besten Dienste thun musste. Wahrscheinlich wird man damals

16) Vgl. Hultsch Metrologie S* 673.

16) C. I. L. III, 784.

17) Metrologie S. 673.

18) Metr. Untersuchungen S. 300 und 436.

19) Hermes XXI S. 417.
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