Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 15.1892

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die Bevölkerungsziffer und das äußere Ansehen desselben sich hoben,
sondern auch dieser frische Geist die Spuren ehemaliger Größe aufzu-
suchen und pietätvoll vor gänzlichem Ruine zu bewahren trachtete, nur
äußerst wenig mehr vorhanden war, dem solche Fürsorge sich zuwen-
den konnte. Zu diesem Wenigen gehören, außer den genannten Bau-
werken und einigen durch die Stadt zerstreuten, namentlich inschrift-
lichen Überbleibseln, die Sculpturen, welche den Gegenstand dieses
Cataloges bilden.

Die Anregung, römische Alterthümer im Tempel der Roma und
des Augustus unterzubringen und diesen damit zu einer Art von städti-
schem Museum zu gestalten, gieng vor mehr als dreißig Jahren von
dem verstorbenen Giovanni Carrara aus. Die Idee war insofern eine
glückliche, als damit wenigstens ein Sammelpunkt geboten war. Der
Charakter eines Museums freilich konnte nicht lange aufrecht erhalten
werden, da die Tempelcella sich räumlich bald als zu beschränkt erwies
und zu einem Trümmermagazin wurde, in das zuerst Frühjahr 1876
H. Majonica, jetzt Conservator der Alterthümer von Aquileja und Pro-
fessor am Gymnasium zu Görz, einige Ordnung zu bringen sich be-
mühte. (Vergl. dessen „Reisebericht" arch.-epigr. Mittheil. I S. 40—46.)
Er wandte, ohne die Bildwerke zu vernachlässigen, sein Augenmerk
vorzüglich den Inschriften zu und veranstaltete nach diesem Gesichtspunkte
eine Aufstellung im Tempel und auf einem kleinen unbedeckten Grund-
stücke rechts von demselben, dem sogenannten Hofe. Nach seinen
Arbeiten verblieben dann die Dinge im wesentlichen während der letzten
vierzehn Jahre, außer dass hin und wieder ein neues Fundstück im
Tempel selbst oder im Hofe, der inzwischen durch ein gemeinsames
Gitter umfriedet wurde, niedergelegt ward; im Ganzen ein trauriger
Anblick, der zu durchgreifenderen Maßregeln aufforderte.

So fand ich es denn abermals zunächst geboten, eine Neuordnung
vorzunehmen, die sich in mehreren Tagen durchführen ließ. Die Auf-
stellung ist nunmehr derart, dass in dem von Süd nach Nord orien-
tirten Tempel die ganze Westwand entlang die großen Grabaltäre, an
der Ostwand reihenweise fast alle Statuen, an der Nord- und Südwand
über einander die kleineren Inschriftblöcke und Tafeln stehen. Die
Mitte des Raumes wird hauptsächlich eingenommen durch die besseren
Reliefs und die interessanteren Rundwerke. Im Pronaos befinden sich
außer dem Feldherrentorso (Nr. 2), der links neben der Thüre ziemlich
ungeschickt angemauert ist, mehrere Altäre und Säulenkapitelle. Natür-
lich konnte auch ich nicht vermeiden, viele Gegenstände, namentlich
architektonische Stücke, im Freien neben dem Tempel zu belassen;
doch gelang es, einiges Wertvollere von da nach innen zu schaffen,
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