Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 15.1892

Seite: 159
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den Füßen bekleidet. Eine schwere Falte des letzteren fällt unter dem
Reste des auf dem Beine ruhenden rechten Unterarmes (?) über den
Oberschenkel nach dem Sitze nieder. Decorative Arbeit. Wohl Porträt.

18. Torso einer stehenden weiblichen Gewandfigur.
Kalkstein. Höhe 109 cm. Schulterbreite 40 cm.

Erhalten von den Schultern bis oberhalb der Knie. Oben ein
tief ausgehöhltes Loch, in das Kopf und Hals besonders eingesetzt
waren. Die linke Hand ist abgebrochen.

Die Figur stand auf dem linken Beine, das rechte war etwas vor-
gesetzt. Bekleidet ist sie außer mit der Stola, wovon ein Stück am
Halse zum Vorschein kommt, mit einer langen Palla von sehr dünnem
Stoff, die, wenn ich das Motiv richtig verstehe, von
der linken Schulter her um den Rücken über den
rechten Arm sammt der Hand (die beide unter dem
Zeuge durchscheinen) wieder zur linken Schulter und
von da, in eine derbe Masse zusammengedrückt,
shawlartig um das Genick vorne über die Brust her
zum vorgestreckten linken Unterarme läuft, über
den sie geschlagen ist. — Die Arbeit nicht ohne
Sorgfalt, aber mittelmäßig. Gleichwertig, oder noch
geringer sind die übrigen Reste von Porträtstatuen
(Nr. 19 bis 56), die eine nähere Beschreibung kaum
lohnen. Sie sind theils weiblich, theils männlich,
sämmtlich ohne Köpfe, Beine und Hände. Hervor-
heben möchte ich aus ihnen nur eine besser er-
haltene, mit eigenthümlichem Gewandmotiv.

30. Statue einer überlebensgroßen

Fio* 3

weiblichen Figur. Kalkstein. Höhe 180 cm. .

Postamenthöhe 11cm. • Schulterbreite 43 cm. ..-u61/0, ß &-^e

über Lebensgroße.

Es fehlen Kopf und linke Hand. Vergl. Fig. 3.

Die Gestalt scheint auf dem rechten Beine zu stehen, das linke
ist etwas ungeschickt zur Seite gestellt, sodass der beschuhte Fuß links
unter dem Gewände vortritt (während der rechte Fuß nicht sichtbar
ist). Die Arme werden in einer sonst für den Gestus der Trauer
üblichen Weise gehalten (der übrigens hier möglicherweise auch beab-
sichtigt ist), nämlich so, dass der Ellenbogen des linken Armes sich
auf die Hand des wagrecht vor dem Leibe gehaltenen rechten Armes
stützt, und die linke (abgebrochene) Hand sich gegen das Gesicht
erhebt. Lose Locken scheinen rechts und links auf die Schultern zu
fallen. Bekleidet ist die Figur mit langärmeliger Stola und der Palla,
wovon der linke Zipfel des Theiles, der von vorne über die linke

Archäologisch-epigraphische Mittheil. XV, 2 4
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