Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 15.1892

Seite: 163
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mit leicht vorgebogenem Knie zur Seite gestellt. Der Kopf war gerade
aus gerichtet. Die Bewegung des linken Armes lässt sich mit Sicher-
heit nicht mehr angeben; möglicherweise war er vor die Brust gelegt,
mich dünkt jedoch wahrscheinlicher, dass der Unterarm wagrecht vor-
gestreckt und von dem über ihn fallenden Mantelende bis zur Hand-
wurzel bedeckt war. Die Hand wird ein Attribut, etwa einen Blumen-
korb, gehalten haben. Der entblößte rechte Arm war gesenkt und
hielt offenbar den daneben stehenden jungen Bock an den Vorder-
beinen. Der größte Theil seines Oberkörpers ist weggeschlagen, die
Silhouette von Hals und Kopf mit den Hörnern jedoch deutlich er-
kennbar.

69o Kalksteinblock von 66 cm Höhe, 43 cm Breite, 53 cm Dicke.
An der Vorderseite Hochrelief einer stehenden langbekleideten weib-
lichen Figur bis zur Hüftengegend. Die Figur steht auf dem linken
Beine, das rechte war leicht vorgebogen (Knie abgestoßen). Die Basis
ist vorne abgestoßen und von den Füßen der Figur sonach nichts mehr
zu sehen. Die Kleidung der Gestalt entspricht genau der von Nr. 68.
In dem Relieffelde links von der Figur sind, mehrfach beschädigt,
Ranken mit Blättern und schweren Trauben dargestellt.

70. Kalksteinblock,*) an dessen Stirnseite (oben vorgewölbt wie
Nr. 68) in Hochrelief Darstellung einer lang bekleideten stehenden
weiblichen Figur.

Das Relief entspricht nach Größe und Anordnung den beiden
vorigen Stücken, ist jedoch weit besser erhalten, nur hier und da be-
stoßen. Die Kleidung unterscheidet sich insofern von Nr. 68, als das
Obergewand den Körper dichter umhüllt. Es ist über den Kopf ge-
zogen, sodass nur das Gesicht frei bleibt, und umgibt auch den rechten
gesenkten Arm bis zur Hand. In letzterer hält die Figur einen ziem-
lich großen rundlichen bauchigen Gegenstand nach abwärts, der aber
bestoßen und nicht mehr deutlich erkennbar ist; vermuthlich ein an
den Beinen gehaltenes Huhn. Auf dem mit geöffneter Hand wagrecht
an der Seite gehaltenen linken Unterarme der Figur sitzt ein Hase,
den Kopf mit angelegten Ohren gegen den Oberarm seiner Trägerin
gerichtet.

Es scheint mir nicht zweifelhaft, dass Nr. 68—70 zusammen-
gehören und, vielleicht im Vereine mit einer vierten verlorenen Figur,
die Jahreszeiten darstellen: Nr. 68, jugendlich schon dem Gewände

*) Ich fand das Stück im Garten des Herrn k. und k. Contre-Admirals Buchta,
wo es beim Hausbau zutage kam. Genaue Messung und Zeichnung war mir der
ungünstigen Aufstellung wegen nicht möglich. Inzwischen ist die erbetene Uber-
führung des Steines in das Museum bewilligt worden; ich reihe ihn demnach
hier ein.
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