Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 15.1892

Seite: 171
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Man kann noch hinzufügen, dass das erste Gedicht eine enge
Verbindung zwischen dem Ort der Handlung und Ägypten voraus-
setzt. Nun ist bekanntlich Ptolemaios II. Philadelphos 309 auf Kos
geboren und hielt die Insel bis auf kurze Unterbrechungen (z. B. nach
der Schlacht von Kypros bis zur Schlacht bei Issos von 306—301 und
während des chremonide'ischen Krieges 266—263) treu zu den Lagiden,
denen sie ihre Blüte verdankte. Mit Recht hebt ferner Hicks hervor,
dass zwischen Kos und Alexandreia ein täglicher Verkehr möglich
war.8) Man kann auch anfuhren, dass zweimal auf Ko'ischen Inschriften
der Priester des Asklepios, der Hygieia und der Epione erscheint
(Paton n. 30. 345) und Mim. IV, 4. 5 Hygieia in ganz besonders nahe
Beziehung zu Asklepios gesetzt wird (vermuthlich als seine Gattin
nach Kaibel) und Epione in der Koseform 'Httiüu in Vers 6 erscheint.
Auch das V, 80 erwähnte, sonst unbekannte Fest der repnvia wird man
wohl mit dem Ko'ischen Monat fepaOTioq in Verbindung bringen dürfen.

Besonders beweisend aber ist ein Vergleich der von Herodas ge-
brauchten Namen von sehr besonderem Klange, sowohl was ihren
Stamm- als ihre charakteristischen Ableitungssilben betrifft, mit dem
Namensschatz von Kos, welchen man in der Sammlung Patons jetzt
bequem überblicken kann.9)

0i\aivi£ I zweimal; ruXXic; I vgl. f~u Xitttto q; KörraXoc; I, Körrig
III, KoTTdXn. IV vgl. Korria; NdvvaKOc; III dreimal; Kuvvüu (auch Küvva,
Kuvvic;) IV vgl. Kuvvic;; BaruXXic; V vgl. BaTiiuv; Bmvva V, Bude; VI
vgl. B iti d£ zweimal, B itt ap o cj viermal, Bitujv dreimal, ferner Birne;,
die Freundin des Philetas, und die Koerin Bittüj Kaibel epigr. Gr. n.
232; MiKKdXn. V vgl. MiKn. dreimal, ferner Mikujv, MiKuXivn. u. s. w.
Mevuuv V dreimal; No(Xcric; VI zweimal, ferner NocrauXocj, Noddcuv;
KopiTTüu (auch Kopirric;) VI vgl. KopiTTidcj zweimal; Kavodiocj VI,
Kavbdc; oder Kavödrri10) VII vgl. KavödXncj, Knörr|cj von Kos bei Diod.
V, 57. — Eine noch größere Ubereinstimmung zeigen die Ableitungs-
silben: Mnr-ixri I vgl. Ittttixh» Moipixocj, 'OXuumxoq, TTuppixoc;; MupT-
dXn. I. II. Kött- aXo<; III KoTT-dXn. IV B<rr-dXr| IV MiKK-dXn. V

8) Hicks introd. 8. XXVII. XXXII ff. Vgl. Droysen, Geschichte d. Hellenismus
III, 1 S. 379.

9) Ich füge die "Nummern aus Paton's Sammlung nicht bei und bemerke nur,
wie oft der betreffende Name vorkommt. Gesperrt gedruckt sind diejenigen, welche
in den Inschriften n. 10 und 368 vorkommen, weil diese in die Zeit zwischen
263 und 225 v. Chr. fallen, also mit Herodas ungefähr gleichzeitig sind. Die römi-
schen Ziffern bezeichnen den Mimiambos. Für Endungen wie -tog; -la$r, -ow, -Löy.os,
-cö habe ich natürlich keine Belege gesammelt.

10) Herwerden möchte VI, 87 und VII, 29 in Kavdavlrjc, ändern. Man könnte
eher fragen, ob nicht bei Diodor Kavdäti]? zu lesen ist.
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