Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 15.1892

Seite: 174
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Eindruck einer beabsichtigten Huldigung für den großen Maler macht.
Die übrigen Urtheile oder vielmehr Bemerkungen sind aber einfach
charakteristisch für die Leute, denen sie in den Mund gelegt werden.
Jetzt, wie gewiss auch im Alterthum, staunt der gewöhnliche Be-
trachter über die Naturtreue, sie scheint ihm die eigentliche Kunst an
jedem Kunstwerke. Auf eine andere Erklärung führen uns die An-
gaben des Herodas selbst. Batale, deren Statue erwähnt wird, muss
eine Zeitgenossin der Sprechenden sein. Dies beweisen die Verse 37. 38 :

ei ur| Tic; auTiqv eiöe BaTdXnv, ßXeipac;
ecj touto tö eiKÖvicyua un[ö5 airrjfjc; öeio~9u).19)

Dasselbe wird für die Weihung des Euthies durch den Segenswunsch
für die Künstler und namentlich für den Dedicanten bewiesen 26. 27:

— i\euucj ein

Kai Toicrb' (den Söhnen des Praxiteles) 6 TTaubv Kai EuOin —

Endlich die Verse 76—79 !

— öcj b'eKewov (den Apelles) f| epfa Td eKeivou
uf] TraucpaAricracj eK bncnc; öpdbpnKev,
ttoööc; Kpeuarf eiceivoc; ev Yvaqpeuucj oiküj .

So kann man meines Erachtens nur von einem Lebenden oder
wenigstens von einem Künstler reden, dessen Lebenszeit noch in die
eigene hereinreicht.20) Drei der bewunderten Werke sind also zeit-
genössische. Wir sind somit zu der Annahme berechtigt, dass es sich
hier überhaupt um Weihgeschenke handelt, welche damals, als das
Gedicht verfasst wurde, neu d. h. noch nicht allzu lange aufgestellt
waren und dass dieser Umstand Herodas veranlasste, sie vor anderen

19) So füllt C. Robert bei Kaibel die Lücke des Papyrus aus, man könnte
auch an firj [ixelv/t]?" denken. Kaibel selbst schlägt vor /u-ij [ezkQ]r\c,, ebenso v. Her-
werden, Rutherford und Bücheler /-iij [q>o)v]fjg-, Headlam fii] [ddt;]?]1?, Danielsson fii]
[ldk]i\<; oder /tii] [d-sjt]?.

20) v. Herwerden, der in der phil. Wochenschrift und in der Einleitung- zu
seiner Ausgabe der Mimiamben (Mnemos. S. 45) dieselbe Folgerung, wie ich, aus
den oben citierten Versen gezogen hatte, bezeichnet sie dann im Commentar zu
IV, 73 ff. S. 72 als „gravis error". Dazu veranlasst ihn die neue Lesung von v. 75,
welche er Rutherford's 2. Ausgabe entnimmt:

äkV et (o)i Papyrus) inl vovv yivoito, xal ßewv xpamiv
rjnetyero (Apelles) —

Er übersetzt die Worte: „qui sicubi ad eam rem se applicaret, ipsos deos tangere
i. e. deos aequiparare studebat." Dieselbe Conjectur hatte schon Headlam gemacht
und übersetzt: „but if it came into his head, he hastened to attempt even Gods.''
Weder diese Conjectur, noch ol, was Rutherford zuerst drucken ließ, noch der Ver-
such Kaibels, w des Papyrus zu halten, befriedigen mich vollkommen: aber dass, wer
d für richtig hält, deswegen annehmen müsse, dass Apelles schon längst gestorben
sei, kann ich nicht zugeben.
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