Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 15.1892

Seite: 175
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hervorzuheben. Diese Ansicht wird auch durch die Art bestätigt, wie
einige, vermutlilich ältere, Statuen im Tempel (56—58) ganz kurz ab-
gemacht werden.21)

Herodas war also ein Zeitgenosse des Apelles, nach den Angaben,
welche wir über den Anfang der künstlerischen Thätigkeit des Meisters
haben, freilich gewiss ein jüngerer. Denn, wenn wir auch auf die
Angabe, dass Apelles an dem Bilde des Tyrannen von Sikyon, Aris-
tratos, mitgearbeitet habe,22) kein großes Gewicht legen, obgleich sie
von einem so vortrefflichen Zeugen, wie Polemon ist, herstammt, da
es sich der Natur der Sache nach hier nur um eine Tradition oder
um einen Schluss aus gewissen malerischen Eigenthümlichkeiten des
Gemäldes handeln kann, so bleibt doch die Nachricht des Plinius23) be-
stehen, dass Apelles zahlreiche Portraits des Königs Philipp gemalt habe.
Apelles muss also zur Zeit des Todes des Philipp mindestens 20 Jahre
d. h. ebenso alt, wie Alexander gewesen sein. Das würde auf 356
als Geburtsjahr führen und Apelles hätte im Jahre 265, dem frühesten
Datum, welches wir für das Einleitungsgedicht oben erschlossen haben,
bereits das 91. Lebensjahr erreicht. Diese Berechnungen beweisen
zwar zunächst nur für die Entstehungszeit des 4. Gedichtes, aber sie
erscheinen mir doch auch von Gewicht für die Beantwortung der
Frage, ob mit dem ßaoiXeuc; xPuö"röc; Philadelphos oder Euergetes ge-
meint ist.

Soviel über den Ort der Aufstellung der Bildwerke und über die
Zeit des Gedichtes. Leider lässt sich in keinem Falle eine vollkommen
einwandfreie Entscheidung erreichen. Für die Annahme, dass die
Scene im Asklepieion zu Kos spielt, ergibt sich aus dem Gesagten nur
ein allerdings sehr hoher Grad von Wahrscheinlichkeit: schlimmer
noch steht es mit der Zeitbestimmung. Der einzige feste Punkt ist
das Jahr 265. Da es nun aber nicht gelingen will, einen verlässlichen
terminus ante quem aus den vorliegenden Mimiamben zu gewinnen,
da wir ferner die Möglichkeit offen lassen mussten, dass Apelles zur
Zeit der Abfassung des Gedichtes nicht mehr lebte, da wir endlich
keine Mittel haben, um zu schätzen, seit wie lange etwa sein
Gemälde im Asklepieion aufgestellt und zu sehen wrar, so müssen wir

21) Obgleich die Lesart des Papyrus IV, 57 verderbt ist, kann kein Zweifel
darüber sein, dass die „egyu" kurz als Arbeiten der Athene bezeichnet werden. Die
Conjecturen der verschiedenen Gelehrten setze ich nicht her, weil mir keine das
Richtige zu treffen scheint. Die Bezeichnung i'yya '''AO-r\vaiy\g enthält übrigens kein
großes Lob: sie wird VI, 65 in verdächtiger Nähe des ßavßcöv verwendet, der an
v. Leeuwen (Mnemosyne XX S. 97 f.) einen unberufenen Ehrenretter gefunden hat,
und VII, 81. 116 von Erzeugnissen einer Schuhmacher Werkstatt.

22) Plut. Arat. 13.

23) Plin. n. h. XXXV, 93.

Archäologist'h-epigTaphische Mittheil. XV, 2 5
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