Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 15.1892

Seite: 178
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an zwei Stellen,32) einfach als oi Tiaiöec; oi TTpaHiTeXouq ohne Nennung
ihrer Namen bezeichnet werden. Was die „drfaXuaia" darstellten,
erfahren wir leider nicht und ich will es hier nur als eine ganz ent-
fernte Möglichkeit andeuten, dass das Mädchen (,27. 28)

öpn, cpiXn, xnv iraiöa inv cu/iu Kdvnv
ßXeTroucrav ek; tö uf)\ov —

nach Murray bei Kenyon eine Hesperide, nach Diels eine Genrefigur
zu ihnen gehört haben mag.

Endlich befand sich unter den Weihgeschenken im Asklepieion
auch „der Knabe mit der Gans". Denn, dass sich die Worte (30. 31):

Kdvov öe, Kuvvoi, xöv fepovra, rtpbc, Moipecuv,
töv x^vaXüJTreKa wc; tö ttoüöiov Tivijei —-33)

auf diese in verschiedenen Repliken erhaltene Gruppe beziehen, scheint
zweifellos. Doch die Freude, dass wir hier endlich eine sichere An-
gabe für die Lebenszeit des Künstlers Boethos gewinnen, wird dadurch
vergällt, dass das von Herodas erwähnte Werk nach v. 32 aus
Marmor gebildet war. Boethos aber, dessen Arbeiten in Silber be-
sonders berühmt waren, kennen wir bisher nur als Toreuten und Erz-
gießer34) und speciell die Gruppe, von welcher wir sprechen, wird
bei Plinius unter den Erz werken aufgeführt. Andrerseits stimmen die
oben citierten Worte des Herodas und die des Plinius (XXXIV, 84):
Boethi — infans eximie anserem strangulat so vollkommen zusammen
und fügt sich dazu so gut die Nachricht, dass sich Werke von Boethos'
Hand im Tempel der Athena Lindia auf der Nachbarinsel Rhodos be-
fanden, dass man sich schwerlich zu der Annahme entschließen wird,
es handle sich hier um zwei ganz verschiedene Gruppen. Ist nun der
„Knabe mit der Gans" des Boethos nur durch ein Versehen des
Plinius unter die Erzwerke gerathen, weil der Künstler als Ciseleur
und Gießer zur Berühmtheit gelangt war ? oder war die Marmorgruppe
das Original, nach welchem Boethos eine Copie bildete, welche den
Ruhm seines Vorbildes überstrahlte? oder war umgekehrt die von
Herodas erwähnte Gruppe eine Replik des Werkes des Boethos? Auch
in diesem Falle müssen wir vorläufig auf eine Entscheidung verzichten.

82) Paus. I, 8, 4. IX, 12, 4.

33) So lese ich mit Diels und Danielsson: der Papyrus hat v. 31 r>,>' /rji'a/jö/re/.a.
Die Bezeichnung des Thieres, mit welchem der Knabe ringt, als „alter Gänserich"
scheint mir gut gewählt, obgleich ich nicht läugne, dass ein Epitheton wie „groß,
mächtig" näher läge.

34) Ob er auch ein Steinschneider war, wie A. Furtwänglep-Jahrb. des archaeol.
Instituts 1888 S. 218 annimmt, muss zweifelhaft bleiben. Der Bildhauer bei E. Löwy
Inschr. d. griech. Bildhauer n. 210 würde aus chronologischen Gründen hier nicht
in Betracht kommen.
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