Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 15.1892

Seite: 188
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Die einfachste Annahme ist gewiss die, dass die syrische legio VI
Ferrata sich in Verus. Partherkrieg hervorgethan und die Münzen ge-
schlagen wurden zum Andenken an ihren Ursprung. Es gienge daraus
hervor, dass Augustus die Ziffern, die Antonius sernen Legionen ge-
geben, beibehalten, und unter dieser Voraussetzung wird es auch voll-
ständig klar, weshalb die Legionsziffern des orientalischen Heeres nicht
lückenlos fortschreiten, wie die des abendländischen.30) Welche Legionen
des Antonius Augustus fortbestehen ließ, ergibt sich aus dem Thierbild.
Es ist in den beiden bekannten Fällen der Stier.31) Demnach hat
Augustus diejenigen Legionen im Heere seines Gegners nicht auf-
gelöst, welche bereits unter Caesar gedient hatten.

Wenn also Augustus, soweit es irgend möglich war, das Heer seines
Vaters wieder herstellte, so sah er sich doch genöthigt im Laufe seiner
langen Regierung zu Neubildungen zu schreiten. Diesen verlieh er
sein eigenes Nativitätsgestirn, den Steinbock.32) Es findet sich bei
der legio II Augusta;33) XIV Gemina; XXII Primigenia.34)

Weshalb Augustu§ die legio II neugebildet und nicht aus Caesars
Heer übernahm, ist aus unserer Überlieferung noch zu erkennen. Die
Caesarische legio II wurde bei Forum Gallorum vernichtet und verlor

80) Es fehlen die I, II, VII, VIII, Villi, XL Nur der legio XII Fulminata
des orientalischen Heeres entspricht keine Legion gleicher Ziffer im abendländischen
LIeere. Aber diese Legion hat im Heere des Antonius ihre caesarische Ziffer be-
halten, wie Henzen (Bull. d. Inst. 1867 p. 179) mit Recht aus den Münzen des
Antonius mit leg. XII antiqua (Eckhel d. n. VI p. 51) und der Inschrift (C. I. L.
XI 1058) einer leg. XII paterna geschlossen, welche beide Legionen mit der XII
fulminata wahrscheinlich identisch sind. Gerade der Beiname antiqua, welchen
nur diese Legion im Heere des Antonius führt, lässt erkennen, dass die anderen,
soweit sie aus Caesars Heere stammten, ihre Ziffern geändert hatten. Es ist das
wohl begreiflich, da eine einheitliche Zählung der Legionen nothwendig war, die
beim Festhalten der alten Ziffern für die vereinzelten Caesarischen Legionen in
Antonius' Heere nicht durchführbar gewesen wäre. Denn die Hauptmasse der cae-
sarischen Legionen diente, wie die spätere Zählung zeigt, schon in der Triumvirats-
zeit in Augustus' Heere.

31) Die V Macedonica und X Fretensis.

32) Dies ist zweifellos der Grund, weshalb auf den Münzen mit der Aufschrift
signis receptis die Darstellung der zurückgewonnenen Fahnen mit dem Bilde des
Steinbockes wechselt (Cohen I p. 99 n. 262V

83) Der Steinbock der IL Augusta ist besonders gesichert durch das Relief:
Fahnen S. 77, wo er als das Gestirn des Gründers links neben dem Vexillum ange-
bracht ist, ebenso wie auf dem Kasten links der Stier erscheint. — Ich benütze
die Gelegenheit zu bemerken, dass nach einer Mittheilung Wolters' nicht eine Hand,
wie die englische Publication glauben ließ, sondern eine Lanzenspitze, die sach-
gemäß erwartet werden muss, über dem Vexillum emporragt.

84) Dass diese Legion ihren Ursprung auf Augustus zurückführte, habe ich im
Correspondenzbl. der Westd. Zeitschr. 1891 S. 59 erwiesen.
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