Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 16.1893

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Beschreibung der Sculpturen im Augustus-

tempel in Pola

(Fortsetzung, s. vorigen Jahrgang S. 151 ff.)

83. Viereckige Basis aus Kalkstein für eine Ehren-
statue des Q. Mursius Plinius Minervianus. Höhe 170 cm.
Breite 85 cm. Tiefe 56 cm. Die Basis war in drei Stücke gebrochen
oder zerschnitten, nämlich horizontal etwa in der Mitte ihrer Höhe und
der untere Theil noch einmal vertical in zwei Hälften, wovon die linke
verloren ist. Die beiden noch vorhandenen Stücke, nämlich die Ober-
hälfte der Basis und den rechten Theil der Unterhälfte, deren Zusam-
mengehörigkeit P. Kandier erkannt, Th. Mommsen jedoch irrthümlich in
Abrede gestellt hatte, habe ich wieder zusammenfügen lassen. Sie
waren in der Nähe des Augustustempels neben einander eingemauert
gefunden worden und passen genau zusammen. Vgl. Fig. 12. 13.

Die Vorderfläche und die beiden Nebenflächen der Basis haben
auf allen vier Seiten einen Rahmen. Innerhalb desselben steht auf
den Nebenflächen je eine männliche Figur in Hochrelief, auf der Vorder-
fläche die Ehreninschrift des Q. Mursius, unter welcher das Decret der-
selben in kleineren Lettern zugefügt ist (vgl. Fig. 14). *)

Auf den beiden Nebenflächen der Basis beträgt die Breite des
Relieffeldes ohne Rahmen 29x/2 cm, die Höhe desselben auf der rechten
Nebenfläche 86 cm. Ungefähr die gleiche Höhe hatte die Inschrift-
fläche der Vorderseite (anscheinend 90 cm), während deren einstige
Breite 50 cm betrug. Der Abstand der letzten Zeile auf der Ober-
hälfte (vom Fuße gerechnet) von dem oberen Rande beträgt 42 cm,
der Abstand der ersten Zeile auf der Unterhälfte (von oben gerechnet)
vom unteren Rande 36. Da demnach der Zwischenraum etwa 12 cm ist,
ergibt sich ein Ausfall von 6—7 Zeilen Inschrift. Im C. I. L. V 56
ist das Relief der rechten Nebenfläche unbeachtet geblieben, dasjenige
der linken beschrieben als: „femina velata super aram sacrificans"
statt: „togatus velato capite super tripodem sacrificans".

x) Eine Revision der Inschrift nach Abklatschen ergab außer unwesentlichen
Correcturen in Z. 1 der Unterhälfte (C. I. L. V 61) \ IANl, was wohl zu Miner-
vjiani zu ergänzen sein wird, und in Z. 4 rn VIANVS, also Minerjvianus filius
eins. Die Zusammengehörigkeit der beiden Stücke findet auch darin eine Bestätigung.

Archäologisch-epigraphische Mittheil. XVI, 1 1
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