Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 16.1893

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einer besonderen, vielleicht etwas niedrigeren Basis gestanden haben.
Diese Basen beweisen, dass beide Figuren ikonisch gedacht sind, wohl
als Reproduktionen von Ehrenstatuen, die dem Q. Mursius früher ge-
setzt waren und ihn einerseits in Ausübung eines religiösen Amtes,
andrerseits als Magistratsperson in rednerischer Stellung zeigten.

Auf der Basis der Rednerstatue ist eingemeißelt:

L- I TA
S I

Mommsen (C. I. L. V 61), der dieses Stück, wie erwähnt, für die
Vorderseite einer anderen Basis hielt, dachte an die Darstellung einer
Statue mit beigefügtem Agnomen des Geehrten Litasius. Allein L steht
weiter ab und ist, wie der Abklatsch bestätigt, durch einen Punkt ge-
trennt. Es dürfte demnach L(... ii) Itasi (opus) zu verstehen sein, als
Künstlerinschrift der Rednerstatue des Q. Mursius. Auch die ihm von
dem Collegium der Dendrophoren gesetzte Statue wird als ein künstlerisch
besseres Werk ihrer Zeit, der ersten Hälfte des dritten Jahrhunderts,
gedacht werden müssen, da sich die erhaltene Basis durch Größe, schöne
Profilierung, Sorgfalt der Inschrift und zierliche Feinheit des Relief-
schmuckes auszeichnet.

Auf der Rückseite findet sich eine Einarbeitung, die von der
rechten Seite aus hineinschneidet, den Bildrahmen an dieser Stelle
größtenteils zerstörend. In einer Tiefe von 8 cm, einer Länge von
18^2 cm und einer Höhe von 72 cm ist ein rechteckiges Stück der
Rückwand herausgenommen. Die Einarbeitung muss schon in alter
Zeit geschehen sein, wenigstens vor der Zertrümmerung der Basis, denn
ihre Schnittflächen passen an den Bruchstellen der Blöcke genau an-
einander.

84. Grabrelief der Obellia aus Kalkstein. (Inschrift
C. I. L. V 203.) Höhe 90 cm. Breite 79 cm. Dicke 16 : 33 cm. Stark
zerstört.

Auf vorspringendem Postament, das die Inschrift trägt (links und
noch stärker rechts ausgebrochen), erhebt sich in hohem Relief der
Oberkörper einer Frau, welche lebensgroß von vorn erscheint. Das
Gesicht ist ganz abgestoßen, vom Haupte nur mehr die allgemeine Form
zu erkennen; danach scheint das Haar in dicken Massen beiderseits
die Schläfen eingerahmt zu haben. Bekleidet ist sie mit einer Stola,
über der ein Obergewand liegt, das, beide Schultern bedeckend, im
Rücken bis zum Hinterkopfe emporgezogen ist, und das sie vorne mit
beiden Händen an der Brust zusammenhält.

Rechts und links von dieser Gestalt standen an den Kanten der
Platte zwei kleinere in ganzer Figur, von denen jedoch diejenige rechts
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