Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 16.1893

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45, 102: in lustranda colonia ab eo, qui eam deduceret, et cum Im-
perator exercitum., censor pojmlum lustraret, bonis nominibus, qui
hostias ducerent, eligebantur. Die Lustratio des Census ist eben nur
eine specielle Anwendung des Gebrauches.4) Eine Darstellung dieses
Vorganges gibt eine Scene der Traiansäule.5) Gleich nachdem das
Heer im ersten Feldzug die Donau überschritten, wurde der Act vor-
genommen. Es entspricht dem von DioG) angegebenen Ritual, dass
die drei Opferthiere sus, ovis, taurus,7) aus dem Lager herausgeführt
werden, weil sich die Lustratio im freien Felde vor dem Lager vollzieht.

Auf eine militärische Lustratio bezieht sich auch die Inschrift
C. I. L. V n. 808: D(eo) i(nvicto) M(ithrae) Fl(avius) Exuperat(us)
agens in hcsft(ratione)] Fl(avii) Sabini p(rimi) p(ili), Ael(ius) Severus
agens lust(ratione)s ) Aur(elii) Flav(iani) pr(incipis), siguif(eri) leg. III
p(iae) f(idelis) [Philippianaed)J\ Val(erius) Valens signif(er) leg(ionis)

XIII Gem(inae) lust(ratione) Aur(elii) Zenon(is) p(rimi) p(ili) v. s. I. m.

Die Lustratio betraf zwei Legionen, deren erste Centurionen als
die Lustrirenden genannt sind, der III10) — wahrscheinlich die räti-
sche Italica — und der XIII Gemina aus Dacien. Da die Geschichte
dieser Zeiten so gut wie verloren ist, so lässt es sich schwer sagen,
welcher Anlass die beiden Legionen nach Italien geführt.11)

Die drei bei der Lustration beschäftigten Soldaten scheinen der

4) Vgl. auch Mommsen Staatsr. II, 412.

5) Fröhner PI. 35.

6) Er sagt (vgl. Anm. 2), dass die Sitte vorgeschrieben habe, die Lustratio
auijerhalb des Lagers vorzunehmen, also ganz entsprechend der Lustratio des Census
auf dem Marsfeld.

7) Sie verlassen das Lager durch die porta praetoria, während der Kaiser an
der ara vor dem Praetorium eben eine Spende darbringt. Vgl. auch meine Ausgabe
des Hygin cast. niet. S. 54 und 72.

8) Ebenso wechselt der Ausdruck in den Inschriften Westd. Zeitschr. 9 p. 168
vexil{lalio) leg(ionis) XXII pr(imigetiiae) p(iae) /(idelis) agentium in lignari(i)s, und Bram-
bach 1746: v/eJx(illatio) [leg(ionis)] XXII [pr{imigeniae) piia*3) /(idelis) An]t[on(inia-
naef)] a[g{entium)] lign(ariis).

9) Die Zeit der Inschrift bestimmt, wie Mommsen bemerkt, eine zweite eben-
falls in Aquileia gefundene Inschrift C. I. L. V 8237: Mercurio A[ug]. Valerius Valens
sig. [leg. XIII G.J et Domitius Zosimus act[or] in rat(ionibus) Domiti Terentiani . ...
moniti renovaverunt t[empl(umf)I Peregrino et Aemili[ano co(n)s(urrfn)s)l a. 244. Ks
wird demnach in der im Text citirten Inschrift Philippianae eradirt sein.

10) Vgl. auch C. I. L. Suppl. III 8112, unten im Texte. Mommsen emendirt
zu der Inschrift und im Index p. 1171 IUI F(lavia) f(elix.). Für die Nothwendigkeit
dieser Änderung sehe ich keinen entscheidenden Grund, wenn auch das Fehlen des
Heinamens Italica anstößig ist. Die III Auiusta existirte bekanntlich unter Philipp nicht.

u) Man kann daran denken, dass sie zu Gordians Parthrrfeldzug ausgezogen,
mit Philippus dann im Jahre 244 aus dem Orient zurückgekehrt und in Aquileia. an
der Schwelle Italiens, in ihre Standlager entlassen wurden.
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