Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 16.1893

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In Z. 1 ist zwischen A und I ein beträchtliches Spatium, das
durch ein Loch im Steine ziemlich ausgefüllt wird und wohl wegen
desselben ohne Schrift gelassen war. In Z. 2 sind die auf die Alters-
angabe folgenden Buchstaben überaus gedrängt geschrieben und stören
die Symmetrie der Inschrift. Wir nehmen keinen Anstand, sie für
einen nachträglichen Zusatz anzusehen, durch den auch die Hinzufügung
eines V» zu Anfang der Z. 4 verursacht sein dürfte, und lesen als ur-
sprüngliche Grabschrift: T. Fl(avio) Gaio an(norum quinquaginta)
Fortuna[taj v(iva) fec(it) sib(i) eft/ con(iugi) p(ientissimo) ; der Zusatz
in Z. 2 scheint et und Ca. . .er oder Ga. . .er oder Ca (Ga). . . fr(ater)
gelautet zu haben, Z. 4 aber wurde zu v(ivi) fec(erunt) u. s. w. umge-
staltet — alles dies ohne Rücksicht auf die Fassung der Schlusszeile.
Das Cognomen Gaius, das unwillkürlich die Controverse über den Ver-
fasser der Institutiones in Erinnerung ruft, begegnet noch wiederholt
in der Umgebung, so in Steinamanger C. I. L. 3, 4197. 4204 (Caia)
und in Ödenburg 4259.

Der andere Stein, in zwei Stücke zerbrochen,*) (Sandstein,
0-53 h., 0-77 br.) trägt die Aufschrift:

Mo N k tä

y«E A NIll
V E N s
C'VJ/W*z OET»SI
5 (A-B l!ALECON»P

vne^im i SE^o SENILIMiIlF CgSEC

Nicht näher zu bestimmen waren Reste von Buchstaben zu An-
fang der Zeilen 1—5; ebenso wenig waren in Z. 6 Punkte mit Sicher-
heit zu statuiren. Mehr vermochten wir in mehr als einstündigem
Bemühen, das die drückende Mittagshitze zur Qual gestaltete, nicht
herauszulesen; auch schien es wegen der vorgeschrittenen Verwitterung
der Oberfläche des Steines nicht räthlich, die Buchstaben genauer zu
untersuchen oder einen Abklatsch anzufertigen. Soviel wir erkennen,
handelt es sich um zwei jung verstorbene Kinder (Z. 1 Knabe, Z. 2
Mädchen?), denen der in Z. 3 f. Genannte den Grabstein gesetzt hat;
derselbe soll auch sein Grab bezeichnen (fec(it) et sifbij) und das
seiner Gattin: . . . . bisale con(iugi) p(ientissimae). In Z. 6 schien am
ehesten uneanimi sefrjo oder sefcljo senili und miß.] Ifeg.J sec. ge-
standen zu haben.**)

*) Bruch Z. 4 nach V I %, Z. 5 nach 'S A I)., Z. 6 nach I S E
**) iuveni misero, seni... wenigstens gestattet der Stein nicht zu lesen. Die
Copie, die von der Anstaltsleitung geschickt worden war, zeigt in Z. 6
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