Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 16.1893

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sind nach Norden hin an vielen Stellen der niedrigeren Schichten
der hoch emporragenden venetianischen Mauern wohlerhaltene Reste
römischen Baues bemerkbar.

Nur an zwei Stellen ist die Mauer durchbrochen, auf der Nord-
seite, wo sich ein venetianisches Thor öffnet, und gegen Westen dicht
an dem viereckigen Thurm des Gemeindehauses. Hier wurde im Jahre
1848 ein Mauerzug niedergerissen und beim Ausgraben der Funda-
mente kam folgende Inschrift ans Licht:

'^RVS-PAT ALI V S • G RAA/0 • OPI A-r
VEA^E TVS - LASTIMEIS • HOSP-F j
P R A • M V R V M • L O C A V E R v NL^J O.cy

x ■ C X I • A LT- P-XX-E I S DE-P R O R '

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Die Fundnotiz fand ich in dem Buche von Dr- Giambattista
Cubich, notizie naturali e storiche sulVisola di Veglia, Triest 1874—76.
Durch die Freundlichkeit des pens. k. Staatsanwaltes Herrn F. Cele-
brini in Veglia bekam ich dies Buch in der dortigen Stadtbibliothek
Älgarotti zu Gesicht. In dem ersten Capitel des zweiten Theiles, wo
die alte Geschichte der Stadt behandelt wird, stehen in den An-
merkungen unter dem Texte von S. 28—29 viele und ausführliche
Notizen über Funde antiker Gegenstände theils aus Veglia selbst,
theils aus anderen Ortschaften der Insel. Hier ist S. 25 Anm. 1
unsere Inschrift, so viel ich weiß, zum erstenmal publiciert. Die
Cubich'sche Copie ist im allgemeinen genau; nur hat sie am Anfange
der ersten Zeile, offenbar durch Coniectur, MVRVS, ebenda GRANP
ganz richtig (nur nicht in Ligatur); am Ende dieser und der zweiten
Zeile liest Cubich F • ; am Ende der letzten Zeile hat er den Anfang
des A nicht gesehen, den vorausgehenden Buchstaben aber, wie auch
ich zuerst, für R gehalten. Jüngst wurde die Inschrift im vorigen
Jahrgange unserer Mitth. S. 68 veröffentlicht.

Der Stein ist gegenwärtig auf einer niedrigen Grenzmauer in
der Allee alla marina eingelassen, wo ich eine facsimilierte Copie und
zwei Papierabdrücke anfertigte, wird aber binnen Kurzem in dem
Gemeindehause untergebracht werden.

Die Inschrift ist, so viel ich gesehen habe, außer an den an-
gegebenen Bruchstellen vollständig. Die Buchstaben sind tief und roh
auf einer ungeglätteten Fläche eingemeißelt. Bemerkenswert ist die
archaische Form des /V; O ist regelmäßig kleiner als die anderen
Buchstaben und vollkommen rund; P und R nach unten weit offen.
Da aber die sonstigen Formen von den später allgemein gebräuchlichen
nicht abweichen, so ist unsere Inschrift als eine spätrepublikanische

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