Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 16.1893

Seite: 57
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mehr folgen, ich glaube vielmehr, dass ganz in der Weise wie über
Arthmios auch über die Peisistratiden die Acht durch einen Beschluss
des Volkes verhängt wurde. Zur richtigen Auffassung dessen, was
damals geschah, ist eine Stelle der Aristotelischen Aönvcüujv TroXixeia
heranzuziehen, c. 16, 10: rjcrav öe Kai xoic; 'AGnvouoic; 01 [-rrepi xüjv xu-
pdvvuuv! M) vöuoi npaoi kcxt5 eKeh/ouc; xouc; Kaipouc; 01 t' d'XXoi Kai öf| Kai
6 udXiöxa dvriKuuv xrpög xrjv xfjc; xupavviöoc; <Kaxdö"xaöTv erg. v. Wilamo-
witz und Kaibel). vouoq jap auxoTc; rjv öbe ■ ,0eö"uia xdöe Ä0nvai[uuv
eöri] xrdxpia • edv xrveg xupavveiv ercavicFxdjvxai [erri xupavviöi] r\ cFufKaGiörf]
xnv xupavviöa, d'Ttuov eivai auxöv Kai yevoc;'. Das hier mitgetheilte
Gesetzes-Fragment fordert das Interesse in mehrfacher Hinsicht her-
aus, nicht zum Mindesten schon durch seine Form; es ist ganz in der
Weise der älteren Gesetzes - Aufzeichnungen abgefasst,25) ohne Prae-
script, welches über das Zustandekommen eine Auskunft ertheilte,
dafür mit einer kurzen Uberschrift, an die dann der Inhalt im Infinitiv
sich anschließt. So ist es ein weiteres Zeugnis für den älteren Ur-
kundenstil, der aus Inschriften ähnlicher Gattung genügend bekannt
ist. Aber mit der genaueren Betrachtung der Stelle in der Politie
drängen sich unwillkürlich einige Schwierigkeiten auf; zunächst er-
hebt sich die Frage nach der Zeit, in welche der Erlass und die
Geltung des Gesetzes fallen soll. Aristoteles gebraucht dafür die
ziemlich unbestimmte Wendung Kax' eKeh/ouc; xouc; Kaipouc;; aber dies
kann doch nicht, wie der Zusammenhang mit dem Voraufgehenden
erfordern würde, die Zeit der Peisistratiden sein, denn es ist selbst-
verständlich dass die Tyrannen keine Gesetze, die gegen die Tyrannis
gerichtet waren, erlassen oder, wenn solche von früher her bestanden,
sie aufgehoben haben werden. Also muss das Gesetz aus älterer Zeit
stammen. Dann springt die ungemeine Ähnlichkeit desselben, ja das
wörtliche Zusammenfallen im Ausdruck mit dem oben citierten Eide
in dem Psephisma des Demophantos unmittelbar in das Auge, am
Besten wenn man die beiden Texte neben einander stellt:

Aristotele.'

s:

eav xivec; xupavveiv eTTaviöruuv-
xai [[im xupavviöi]] rj cruYKaGiöxn
xnv xupavviöa, dxiuov eivai auxöv
Kai T^voc.

Andoc. de myst. §. 97:
Kxevuj Kai \6yuj Kai epxuj Kai
lyiiqpuu Kai Tfj euauxou xeiP*> <*v
öuvaxöc; uj . . . . Kai edv xic; xupav-
veiv exravaaxn26) f\ xöv xupavvov
(TuYKaxaöxriö'ri.

24) L)ie eingeklammerten Worte dürften mit Bruno Keil als Glossem zu tilgen
sein (Berliner philol. Wochenschrift 1891, Sp. 620).

25) Dazu Biels im Hermes 22, S. 436 und meine griech. Volksbeschlüsse S. 241. 244.

26) Der von den späteren Herausgebern aufgenommene Zusatz Dobrees (inl

xtfy tvgavvew, ist, wie aus Aristoteles hervorgeht, unnöthig.
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