Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 16.1893

Seite: 66
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überhaupt zu — in den übrigen griechischen Städten eine langsamere
war als in Athen.

Die Geschichte des Arthmios führt, wie man sieht, zu Ergebnissen,
welche über ihre historische Bedeutung weit hinausreichen; denn als
isoliertes Factum betrachtet, hat sie nicht viel Wichtigkeit, nicht zum
Mindesten auch deswegen, weil sie ohne genauere Zeitbestimmung-
überliefert ist und es daher nicht leicht gelingt, sie chronologisch fest-
zulegen und damit weitere Schlüsse für die Geschichte der persisch-
griechischen Beziehungen aus ihr zu folgern. Die bisherigen Versuche
nach dieser Richtung hin haben kein sonderlich befriedigendes Resultat
geliefert. Ich sehe ganz ab von den älteren Forschern,56) die der An-
gabe Plutarchs, Themistokles wäre der Urheber des Beschlusses ge-
wesen, folgen und mit ihm Arthmios' Thätigkeit in die Zeit vor den
Xerxeszug verlegen. Dass Letzteres unmöglich sei, erkannte bereits
Grote,57) der das Decret in die Anfänge des delisch-attischen Bundes
verwies und dem sich Oncken anschloss.58) Der erste, welcher Plu-
tarchs Nachricht über Themistokles als Antragsteller fallen ließ/ war
Busolt;59) er konnte damit Arthmios' Auftreten noch weiter herunter-
rücken und verband es mit der Mission des Megabazos nach Sparta,
die nach ihm ungefähr in das Jahr 458 fiel. Principiell traf er da-
mit das Richtige, obwohl ihm die unterdess durch Wilamowitz erfolgte
richtige Ergänzung des Scholion zu Aristeides unbekannt geblieben
war, durch welche Plutarchs Nachricht beseitigt und Kimon von Kra-
teros als Antragsteller bezeugt wurde. Endlich hat Bauer in Zu-
sammenhang mit der von ihm versuchten neuen Chronologie der Pente-
kontaetie das Decret zwischen den Jahren 465/4 und 462/1 fixiert.60;
Allein ich glaube, dass die allgemeinen Erwägungen historischen In-
halts nicht geeignet sind,61) genauere Bestimmungen auf irgend ein
festes Jahr hin zu bieten: dass persische Agenten in Griechenland ihr
Unwesen trieben, ist bis zum Kallias-Frieden wohl öfter vorgekommen
— Arthmios war sicherlich nicht der Einzige, der es that —- und da-
mit gelangt man nie über eine größere oder geringere Wahrscheinlichkeit

56) Wie Funkhänel a. a. 0. Sp. 305.

57) Hist. of Greece V 124 K

58) Athen und Hellas 1, 118.

59) Griech. Geschichte 2, 128 (Note).

60) Literarische und historische Forschungen S. 74. 90/1. 137.

61) Auch was Bauer (a. a. 0. S. 73, bes. Anm.) aus dem Stil des Psephisma
folgert, ,dass man sich nur aus Rücksicht für Sparta in der Inschrift so zurück-
haltend äußerte, . .. Themistokles hätte nicht so rücksichtsvoll von dem „nach dem
Peloponnes" gebrachten Gelde gesprochen', ist irrelevant und zeugt von einem Ver-
kennen des unkundlichen Ausdrucks; Ihlonowrfiioi und demgemäß hier ntLonöwrfio-
bedeutet einfach den lakedämonischen Bund.
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