Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 16.1893

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grab brachte (1888) ein Eisenschwert mit Scheide und einen mit Corallen
eingelegten Ring. Beim Baue eines Hauses fand man einen Mühlstein
aus Granit, ein Webstuhlgewicht aus Thon, verschiedene Spinnwirtel,
eine Schale aus grauer Erde, frührömische Fibeln, ein Bronzeblech
mit dem Worte S O D A LI, einen Halsschmuck. Mehr als dreitausend
Schmuckgegenstände, die vom 5. Jahrhundert v. Chr. bis 400 n. Chr.
reichen; also eine tausendjährige Benützung dieser Stätte bekunden,
wurden 1884—1886 von uns auf dem Grunde Valemporga ausgegraben.
Zahlreiche andere Einzelfunde beweisen eine ausgedehnte Niederlassung
mit Bestattungen aus allen Epochen und Culturen, vorherrschend der
gallischen, sehr reichhaltig der römischen. Nicht nur die Umgebung
von Mechel sondern auch die an die schwarzen Felder angrenzende
Ortschaft Cles liefert aus allen Culturepochen Bronzeobjecte und reiche
römische Gräber.4) Nach einer solchen Fülle von Funden erhebt sich
die Frage: wo waren die Wohnungen, der Marktplatz, die Heilig-
thümer dieses Ortes? Wenn die Lösung dieser Frage unseren Be-
mühungen vorläufig sich entzieht, so scheinen die Funde der schwarzen
Felder die Einsicht in eine Zeitperiode zu eröffnen, die mindestens vor
2^4 Jahrtausenden beginnt, um gegen Ende des achten Jahrhunderts
unserer Zeitrechnung ein Ende zu nehmen.

Die schwarzen Felder — campi neri — erstrecken sich ungefähr
über drei Joch und grenzen westlich an Cles an. Der hochverdiente
Graf B. Giovanelli erzählt, dass auf ihnen Anfangs dieses Jahrhunderts
römische Münzen von jeder Gattung und aus jedem Jahrhundert von
der Republik bis zum Untergange des Reiches zu Tage kamen. Später
in den zwanziger Jahren, fand man Halsketten, Armbänder, Schnallen,
Fibeln, Schellen, Waffen, Ackerbaugeräthe. Ein goldener Ring, eben-
daselbst gefunden, umschloss einen himmelblauen Stein mit dem Bilde
des Priapus; ein anderer trug einen buntfarbigen Jaspis mit einer
Victoria. Diese Erde, die so reichliche Reste einer längst vergangenen
Cultur birgt, hat nicht nur zur Römerzeit, wie Graf Giovanelli ver-
muthete, sondern längst vor und nach derselben als Friedhof für
Heiden und Christen gedient. Nur durch eine Jahrhunderte, ja Jahr-
tausende lange Verwendung als Grabstelle konnte der Boden einer
so ausgedehnten Fläche seine intensiv schwarze Färbung erhalten.

Der Boden ist durch den Pflug und die Hand des Menschen so
durchwühlt, dass es schwer wird die Erdschichten in ihrer Aufein-
anderfolge deutlich zu erkennen. An mehreren Stellen angestellte
Versuche und nachträglich unternommene systematische Ausgrabungen
ergaben folgende Resultate. Auf einer stark lehmigen undurchdring-

4) Campi, Tombe romane scoperte presso Cles, im Archivio Trentino 1887.
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