Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 16.1893

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liehen Unterlage, an welche gewiss kein Mensch Hand angelegt hat,
folgen verschiedene Schichten, die abwechselnd eine Höhe von 50 cm
bis zu 1 • 50 m erreichen. Die unterste Schichte besteht häufig aus
Steingerölle, welches an drei Stellen zertrümmerte Urnen (Typus
Villanova) ergab. Die Topfscherben erweisen sich als ungebrannt und
ohne Hilfe der Drehscheibe erzeugt. Sehr zahlreich sind unverbrannte
Thierknochen, große Mengen Asche, Kohlen, gemischt mit fetter vegeta-
bilischer Erde. Nur an zwei Punkten fanden sich Feuersteinsplitter
und Eberzähne. Die übrigen Schichten sind nach Form, Dicke und
Festigkeit sehr verschieden. Vorherrschend sind gebrannte und ver-
kalkte Gebeine, Asche, Kohlen und bilden eine sehr feste, graue, durch
Mörtel oder Leim zusammengehaltene Masse, die der Luft ausgesetzt,
eine beinahe der Versteinerung gleichkommende Festigkeit erhält, in
der Sonne trocknet und sich schließlich in Staub auflöst.

Die vielen Topfscherben jeder möglichen Zusammensetzung und
Form, meistens reich ornamentiert, wie auch die Bronzegegenstände
und die vielen Münzen, von dem Aes rude bis zu den letzten der
römischen Kaiserzeit stammen vorwiegend aus den mittleren und
untersten Lagen, niemals oder äußerst selten aus der oberen Schichte.
Unter dem Fundmateriale seien an Waffen hervorgehoben ein zer-
quetschter Helm (?), verschiedene Paalstäbe, eine Lanzenspitze aus
Bronze; an Schmuckgegenständen: Armringe, hohle und massive, mit
eingekerbten reichen Linienornamenten und mit kurzen Endstollen;
Halsringe, spiralförmig gedreht und in Knoten endigend; Fingerringe;
altitalische kahnförmige Fibeln, verschiedene Certosa-Typen, sehr große
Exemplare; eine colossale Bogenfibel mit Charniernadel; römische Arm-
brustfibeln aus einem Stück, keine einzige frühgallische und spätere
La Tene; Nadeln für Kopfputz mit einem und mehreren Knöpfen am
Halse, Stücke von großen Spiralröhren, Gürtelbleche und Zierscheiben;
eine große Anzahl von Stücken größerer und kleinerer Bronzevasen,
der Rand einer Vase mit etruskischer Inschrift;5) Glocken, Schellen,
aus Bronze und Eisen; Pfriemen, Glas und Thonperlen. Aus Eisen:
Haken, Stäbe, Schlüssel, Nägel, Messer, von den geflammten aus der
Eisenzeit bis zu den schweren barbarischen Scramasax, endlich Ketten,
Lanzenspitzen u. s. w. Nicht alle diese Gegenstände lassen sich als
Beigabe der Todten auffassen, so die großen Ketten, die Eisenstäbe,
Haken, die Schlüssel und Nägel und noch weniger die dicken
Bronzebleche, die vielleicht zum Theil zu Wanddecorationen gedient
haben, im ganzen aber nur als Wertzeichen verständlich sind.6) Leider
ist sämmtliches Material aus einem archäologischen Chaos hervorgezogen

5) Dr. Carl Pauli bei Campi, Scavi e scoperte etc. S. 150.

6) Campi, I Campi neri presso Cles nell' Anaunia. Rovereto 1888.
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