Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 16.1893

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worden, und wenn Giovanelli Überreste ausgedehnter Gebäude entdeckt
zu haben glaubt, so fand ich bei meinen Ausgrabungen an vielen
Stellen größere und kleinere, meist unzusammenhängende Mauerreste,
aber den Grundriss eines wohlgegliederten Gebäudes habe ich nicht
constatieren können. Unter diesem Gerolle befand sich der Kopf des
Saturnus, dessen Publication in diesem Artikel erfolgt.

Ohne Zweifel befand sich auf den schwarzen Feldern eine prä-
historische Niederlassung der Steinzeit; wir beobachten die Anfänge
des ersten Eisenalters, das Auftreten etruskischer Cultur, auf welche die
römische Civilisation folgte. Von der gallischen Periode finden sich
keine oder nur unbedeutende Spuren. Schließlich kamen in der oberen
Erdschichte in einer Tiefe von 85 cm sieben in zwei Reihen regelmäßig
geordnete, vollkommen intakte Skeletgräber vor, mit der bei germani-
schen Völkerstämmen üblichen Bestattungsweise, bestehend aus einer
Steinkammer ohne Deckplatte. Die Schädel waren dolichocephal;
Metall- und Thongefäße fehlten gänzlich. Der Auffindung dieser Gräber
verdanke ich manche Schlussfolgerungen über die campi neri und vor
allem die Bestätigung für die jahrhundertlange Benützung derselben
als Grabstätte. Da die Erdschichten unter den Skeletgräbern die
gleiche Unordnung und Durchwühlung zeigten, die an den übrigen
Stellen des Feldes wahrgenommen wurde, so ist anzunehmen, dass die
erste Zerstörung dieser Stätte entweder kurz vor der Völkerwanderung
oder bei Ankunft der nordischen Stämme stattfand.

Weitere wertvolle Aufklärungen über die campi neri geben die dort
gefundenen Inschriften. Sie beziehen sich vornehmlich auf den Cult
des Saturnus. Die erste (C. I. L. V 5067) ist ein Bruchstück, aber
durch die hinreichend erhaltene Angabe des fünften Consulats Kaisers
Trajan und des zweiten von Manius Laberius zeitlich bestimmt, auf
das Jahr 103. Die Inschrift enthält ein Verzeichnis von [curjatores
/SaturfniJ. Die zweite (V 5068 a) gefunden im Jahre 1869 mit der
gleich zu besprechenden Erztafel am nördlichen Ende der Grundparcelle
Nr. 648 der schwarzen Felder steht auf einer Ära die ein L. Papirius,
die dritte (5069) auf einer solchen die zwei Marci Propertii, Vater
und Sohn, dem Saturn weihten. Augenscheinlich gehören die In-
schriften zu einem Heiligthum des Saturnus, das nach der Volkssage
sich dort in der That befunden haben soll. Nun wurde zugleich mit
der zweiten Inschrift die berühmte sogenannte tavola Clesiana gefunden,
der auf einer Bronzetafel eingegrabene Erlass des Kaisers Claudius
aus dem Jahre 46, durch welchen in dem Streit über das Eigenthum
bestimmter Ländereien Entscheidung getroffen und den drei Stämmen der
Anauner, Tulliasser und Sinduner das bisher ohne Rechtsgrund ge-
füh

führte römische Bürgerrecht aus kaiserlicher Gnade mit rückwirkender
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