Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 16.1893

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die Reise trotz der vorgerückten Jahreszeit glücklich durchführen.
Nach einer herrlichen Fahrt auf der neuen Eisenbahn durch das schöne
Bosnathal, dessen Höhen bereits im Schnee erglänzten, langte ich am
7. November in der rasch aufblühenden Landeshauptstadt Sarajevo an.
Acht Tage nahmen die inschriftlichen Studien daselbst in Anspruch.
Mein nächstes Ziel war Rogatica, das, östlich von Sarajevo gelegen,
mittelst der Militärpost auf neuen, römischen Anlagen vergleichbaren
Straßen in einem Tage zu erreichen ist. Von hier beabsichtigte ich
dann nach Visegrad und von diesem Städtchen aus längs der bis
Gjurgjevac auf bosnischem Ufer noch nicht abgesuchten Drina nach
Srebrenica zu gehen. Der in den Wintermonaten schlechte Zustand
der alten türkischen Reitwege nöthigte indessen den Plan zu ändern
und die Route Podromanja-Han Pjesak-Vlasenica-Nova Kasaba-Srebrenica
einzuschlagen. Während dieser langen, durch meilenweite Wälder sich
dehnenden Fahrt hatte ich auch des Nachts Gelegenheit, die heutige
Verkehrssicherheit in diesen früher so unruhigen Bezirken zu erproben;
willkommen war auch die den Reisenden gewährte Erlaubnis, in den
Gensdarmeriekasernen gegen ein geringes Entgelt übernachten und
sich verköstigen zu dürfen. Srebrenica wurde als Ausgangspunkt zu
einigen, unten näher, beschriebenen Excursionen benützt. Auf der Rück-
reise nach Sarajevo besuchte ich Zwornik und Dolnja Tuzla, wo überall
gleichfalls erfreuliche Fortschritte der neuen Landesverwaltung in die
Augen fielen. Neugepflanzte Alleen von Obstbäumen umsäumen die
Straßen; bei Dolnja Tuzla haben Klosterfrauen, die mit Sichel und
Hacke selbst hantieren, eine Musterwirtschaft angelegt; Tuzla verwandelt
sich in eine Fabriksstadt; modisch gekleidete Männer verrathen den
Einfluss Wiens, wo sie, wie sie stolz sagen, dem Kaiser gedient haben.
Während des ganzen, beinahe vier Wochen währenden Aufenthaltes in
Bosnien hatte ich mich überall des größten Entgegenkommens von
Österreichern sowohl wie von Einheimischen zu erfreuen. Insbesondere
fühle ich mich für Unterstützung verpflichtet den Herren Regierungsrath
Constantin Hörmann, Berghauptmann V. Radimsky, Gustos Dr Ciro
Truhelka und Bergcommissär Vorlicek in Sarajevo; Bezirks Vorsteher
Geza Barcsay de Nagy Baresa, Oberstlieutenant A. Straßer und Haupt-
mann G. Goglia in Rogatica; Bezirksvorsteher Adam Karszniewicz in
Vlasenica; Bergmeister Ludwig Pogatschnig und dessen orts- und sach-
kundigem Sohne Oscar Pogatschnig in Srebrenica und dem Herrn Be-
zirksvorsteher in Zwornik.

I. Landesmuseum in Sarajevo.

Im Jahre 1884 stifteten einige Männer, denen die schwere Last
ihrer neuen Verpflichtungen den aus der alten Heimat überkommenen
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