Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 16.1893

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6. Vor der Oareva Djamia beHndet sich eine Ära (nach Hörnes
a. a. O. S. 46 „Pfeilerbasis"), Höhe 1-04, Breite 0*42, Dicke 0*89;
Höhe des Inschriftfeldes 0'47, Breite 0'87; ob sie jemals beschrieben
war, lässt sich nicht erkennen. Neben ihr steht ein Fragment allem
Anscheine nach eines Meilensteines (Hörnes a. a. O. „Säulentrommel"),
Höhe 0*67, Durchmesser 0*35, ohne Inschrift.

An der Stelle von Rogatica ist, wie C. III 8366 mit P. Ael. Cle-
mens II vir und die oben S. 89 n. 3 mitgetheilte Inschrift, die einen
II vir quinquennalis nennt, beweisen, eine römische Ansiedlung mit
städtischem Charakter gewesen. Ich möchte deshalb bei n. 4 Z. 4:
dec. c. Ris. nicht an das ferne Risinium (Risano) denken, sondern RIS
für den Anfang des Namens des alten Rogatica halten. Ist dies richtig,
so war es eine Colonie. Tomaschek ist Mitth. d. geogr. Ges. .1880
S. 557 geneigt, Aleva oder Aleba hierher zu verlegen.

In Rogatica machte mich der für die Erforschung der in seinem
Wirkungskreise befindlichen Alterthümer rastlos thätige Bezirksvor-
steher Herr Geza Barcsay de Nagy Barcsa darauf aufmerksam, dass
sich südwestlich von dieser Stadt jenseits des Matovo brdo bei Lad-
jevina Reste einer vermuthlich römischen Brücke und Straße befinden.
Er selbst übernahm die Führung der Excursion, an der auch der
Commandant von Rogatica, Herr Oberstlieutenant A. Strasser theilzu-
nehmen die Liebenswürdigkeit hatte. Über den tief eingeschnittenen
Bach führte ungefähr an der Stelle, die in der Generalkarte Z. 30
C. xx durch den Buchstaben i des Wortes Ladjevma fixiert wird, eine
Brücke. Auf dem linken Ufer ist noch ein Pfeiler erhalten; das
Mauerwerk besteht aus Bruchsteinen im Mörtelverband, die Deck-
platten fehlen. Außerdem liegen sowohl im Bette des Baches wie an
dessen rechtem Ufer zahlreiche, von der Brücke herrührende behauene
Steine. Die Brücke stand nicht senkrecht auf dem Bach, sondern lief
schief über ihn und hatte eine Breite von 4 m. Diese in Bosnien auf
römische Wegeanlagen weisende Dimension und die Nähe einer höchst-
wahrscheinlich römischen Straße sprechen dafür, dass wir es hier mit
einem römischen Bauwerke zu thun haben.

In den Feldern von Ladjevina bemerkt man eine sanfte, seitlich
abgeböschte Bodenanschwellung, die gerade verlaufend sich in ziem-
licher Länge verfolgen lässt. An einigen Punkten von uns angestellte
Grabungen brachten geschlägelten Stein zum Vorschein, der untrüg-
lich beweist, dass hier eine Straße angelegt war. Die Messung ihrer Breite
ergab etwas über 4 m. Herr von Barcsay versprach seine Forschungen
fortzusetzen und es ist zu hoffen, dass es ihm mit Unterstützung der
Landesregierung gelingen wird, den ganzen Verlauf der Straße klar-
zustellen ; sie scheint Rogatica mit Praca verbunden zu haben.
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