Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 16.1893

Seite: 91
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/archepigrmoeu1893/0101
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
In Gradina, nordöstlich von der Bezirksstadt Srebrenica (unfern
der Drina) wurden in den letzten beiden Jahren im Auftrage der
Regierung Ausgrabungen vorgenommen, deren Resultate, falls der Eifer
nicht erlahmt, ganz darnach angethan sind, die Aufmerksamkeit weiterer
Kreise auf sich zu lenken. Man ist hier auf stattliche Reste einer
römischen Bergwerkstadt gestoßen, die nicht blos auf dalmatinische
Verhältnisse, sondern auch auf alle übrigen ähnlichen Unternehmungen
in der Kaiserzeit Licht zu werfen versprechen.

Srebrenica war, wie Urkunden und deutliche Spuren in der Stadt
und Umgebung beweisen, im Mittelalter ein lebhafter Bergwerksort,
als solcher wird er bereits 1376 erwähnt. Nach wechselvollen Kämpfen
um das reiche Silberbergwerk bemächtigten sich desselben schließlich
die Türken; die Folge davon war das allmähliche Nachlassen der
Production, seit dem Beginne des 16. Jahrhunderts ist der betrieb
gänzlich eingestellt worden. Nach der Occupation wandte man auch
diesen Bergen und ihren Schätzen die Aufmerksamkeit zu und im
Jahre 1881 begann die Gewerkschaft „Bosnia" hier ihre Thätigkeit.
Das dadurch neu geweckte und in abgeschiedene Thäler wieder ein-
geleitete Leben brachte die bedeutsame Entdeckung, dass vor dem
mittelalterlichen Knappen der römische hier gehaust hatte. Es kamen
römische Münzen und Thonlampen (vgl. Glasnik 1891 S. 3 Fig. 2)
zum Vorschein und an der griechisch-orientalischen Kirche von Sase
fand man zwei Römersteine, einen mit zwei Protomen verzierten, jedoch
unbeschriebenen Grabstein (abgebildet Glasnik 1891 S. 4) und folgende
Ära, 0'4 hoch, 0'3 breit, seit der Renovierung der Kirche mit
der Inschriftfläche nach innen eingemauert; ich gebe sie nach einer
im Jahre 1889 von Fräulein Anna Pogatschnig aufgenommenen und
mir gütigst überlassenen Photographie.

1 ■ O • M

IVNONI-R
\MARRIVS
Vu AN V S
5 \AVG

Glasnik 1891 S. 4. Der Rest des C in Z. 5 ist nur sehr schwach
sichtbar.

I(ovi) o(j)timo) m(aximo)) Iunoni r(eginae) M. Arrius [? Iujnianus
[projc(urator) Aug(usti).

Das Interesse war geweckt; man forschte nach weiteren Römer-
spuren. An der Spitze dieser Bestrebungen stand der seither ver-
storbene Bergmeister der „Bosnia" Herr Ludwig Pogatschnig, der ihnen
loading ...