Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 16.1893

Seite: 96
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[in omne aevum t/am nostram iuxta deos ifmmortales pietatem
testabi/tur

de; cforavTa töv aiüuva Trepi touc; otGavdnrouc; Oeouc; cpiXo0eou2)
eutfeßdac; napeHei uapxupiav

quam vero3) condignapraefmia vos esse a nostra cl/ementia consecutos
tö öe1) uuac; dSiuuv eiTdOXcuv TeTuxnKtvai irapd xfjc; /me/repac; (pi\orfaQia?

fehlt

Tauin? uuujv eveKev ifjq tou ßiou rrpoaipeö'eujc;

liberis ac pofsteris declarabitj'.
inoic; xe Kai eiq-övoic; uuerepoic; erriöeixOricfercü.

Die griechische Urkunde lässt sich, wenn auch keineswegs im
Wortlaut, doch inhaltlich mit genügender Sicherheit ergänzen, und sie
ist merkwürdig genug. Die Provinz Lykien und Pamphylien bittet
den Kaiser Maximinus5) und seine Mitregenten um Ausrottung der der
bestehenden Religion gefährlichen und gottlosen Christen. Wir kennen
den geschichtlichen Zusammenhang dieses Vorgangs.

Nachdem Galerius zu Gunsten der Christen das Toleranzedict
erlassen hatte, wies sein Unterherrscher Maximinus auch seinerseits die
Behörden an von der Verfolgung der Christen abzusehen. Aber als
er nach dem Tode des Galerius sich zum Herrn von Kleinasien bis

") Statt (piXo&Eov erwartet man t'jßsxi^ag-.

3) Diese bei tarn ■— quam sprachlich mehr als bedenkliche Partikel wird man
sich gefallen lassen müssen. Ein ebenso schlechtes vero bei Jordanes Get. 4, 26 gibt
keine genügende Analogie. Dass der Erlass zunächst griechisch coneipiert war und
der officielle lateinische Text Kanzleiarbeit ist, kann wohl sein; aber schülerhafte
Wiedergabe des griechischen dh durch vero wird man dem kaiserlichen Cabinet doch
auch nicht zutrauen dürfen. Übrigens ist auch der .griechische Text hier nicht ohne
Anstoß.

4) rov die Handschriften, wozu Valesius bemerkt: scribendum puto tov m
supplendo fia(rtvQiav. Eher hat wohl ro de gestanden.

5) Ich darf nicht verschweigen, dass in der arg zugerichteten Z. 9 der In-
schrift auf dem Abklatsch zuerst M A H I M I A N CJ gelesen worden ist, während ich
M A — I M £ I N (jü erkenne; die Rundung des 6 scheint mir unzweifelhaft zu sein.
Übrigens würde jene Lesung, ganz abgesehen davon, dass in den fjüheren Stadien
der diocletianischen Christenverfolgung von Petitionen um dieselbe nichts gemeldet
wird, in die größten Schwierigkeiten verwickeln. Nach den Berichten der zuver-
lässigsten Gewährsmänner (Schrift de mort. persec. 32; vgl. Eusebius h. eccl. 8, 13)
hat Galerius Maximianus, der dann hier an erster Stelle stehen würde, den Caesar
Maximinus zwar widerwillig, aber dennoch als Augustus anerkannt, und es ist nicht
abzusehen, wie in einer unter seiner Botmäßigkeit gesetzten Inschrift dieser sein
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