Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 16.1893

Seite: 97
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zum Hellespont gemacht liatte und mit dem Machthaber im östlichen
Europa Licinius auf einer Conferenz im Hellespont zu vertragsmäßiger
Einigung gelangt war, fühlte er sich sicher und wechselte sein Verhalten
gegen die Christen. Imprimis, erzählt der zeitgenössische Verfasser der
Schrift de mortibus persecutorum c. 367 indidgentiam Christianis communi
titido (?) datam tollit subornatis legationibus civitatum, quae peterent,
ne intra civitates suas Christianis conventicida extruere liceret, ut quasi
coactus et impidsus facere videretur quod erat sponte facturus, quibus
annuens u. s. w. Ubereinstimmend berichtet Eusebius. Nachdem die
höheren Beamten sich überzeugt hatten, wie der Kaiser in Wirklichkeit
gegen die neue Religion gesinnt sei, veranlassten sie einen Petitionssturm
um Wiederaufnahme der Christenhetze, welchem dann der Kaiser stattgab.
TTdvxec;, sagt Eusebius h. eccl. 9, 4, xüjv ev xeXei xdc; uttö Tr\v auxriv dpx^v
TtoXeic; oiKOÜviec; xrjv ouoiav düpuüuvxo ijjfjqpov Trotr|ö'aö'0ai, rrpoc;cpiXec; ö'eivai
toöto ßacriXeT tujv Kar' errapxiav riYeuövujv cruveuipaKOTiuv Kai toüt auxö
ötarrpdHaö'Gai xoic; utttikooic; uTroßeßXriKÖxuuv, wv öf] Kai auxüuv xoic; ipiicpiauacri
bi dvxrfpaqpfjc; dcrueveöXaxa ernveucravTOc; xoü xupdvvou auGic; e£ imapxfic;
6 Ka9J rjuujv dvecpXeyexo öiuuyuöc;. Weiter heißt es (9, 7): dvd uecrac; xe
toi xdc; iröXeic;, ö unbe d'XXoxe ttotc, njriqncFuaxa TtoXeuuv KaG' f]uwv Kai ßacri-
Xikujv rrpöc; xauxa ötaxdHeuuv dvxrfpaqpai crxr|Xaicj evxexumjuueva xc^Kaic;
dvuipOoövxo, und nachdem er als Beleg den von dem Kaiser an die
Tyrier gerichteten Erlass beigebracht hat, schließt er: xauxa brj Katf riucuv
Kaxd irdaav eTrapxiav dveöXr|Xixeuxo. Dafür haben wir in diesem Do-
cument den urkundlichen Beleg.

Adoptivsohn hätte fehlen und neben ihm nur zwei Mitregenten, die doch nur Con-
stantin und Licinius sein können, hätten genannt werden können. Authentische
Belege für die Inscription der Kaisererlasse von dem Rücktritte Diocletians und
seines Mitherrschers an bis zum Tode des Galerius besitzen wir nicht. Die In-
scription des Toleranzedictes des Galerius bei Eusebius h. eccl. 8, 17, das in diese
Epoche fällt, wimmelt von Schreibfehlern und Verstößen aller Art und kann keines-
falls dafür geltend gemacht werden, dass im Jahre 311 Maximinus von seinem Vater
weder als Augustus noch als Caesar anerkannt worden sei. Ich zweifle nicht, dass
der Text, der griechische wie der lateinische, indem er an erster Stelle und vor
Constantinus und Licinius den FaXiyioz Ova/.tQiog- Maiiftlvoc, (so die Handschriften)
oder den Galerius Maximinus (so ebenfalls die Handschriften) nennt, durch eine alte
Schlimmbesserung entstellt worden ist, indem dies gesetzt ist an die Stelle des Galerius
Valerius Maximianus und des Galerius Valerius Maximinus, worin der Diaskeuast
eine Dittographie sah. Für die Kritik des unvergleichlich wichtigen Werkes ist
diese vor der Arbeit des Rufinus liegende — meines Erachtens zweifellose und un-
möglich dem Autor zuzutrauende — Verderbnis von Belang. Von der Inschrift von
Sinope C. I. L. III S. 6979, wenn sie überhaupt dem Galerius Maximianus gehört und
nicht dem Galerius Maximinus, was nicht ausgemacht ist, ist der Text ebensowenig
festgestellt. Es würde eine Thorheit sein auf dergleichen unsicher überlieferte Do-
cumente hin geschichtliche, gegen gute Uberlieferungen und innere Wahrscheinlichkeit
verstoßende Combinationen aufzubauen.

Archäologisch-epigraphische Mittheil. XVI, 1 7
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