Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 16.1893

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Die Steine aus diesem Heiligthum sind arg verstreut: so ist das Decret
der Brykuntier für den Arzt Menokritos (zuletzt Inscr. Brit. Mus. II,
ccclxiv), wie mir 'Euuavour]\ MavoXaKckrjc; erzählte, von diesem selbst
auf der Insel Chalke bei Rhodos, b. c. h. VIII 353 ff. im Dorfe Elimbos
— 'OXuuttoc;, drei Stunden südlich von Brykus, gefunden; — b. e. h.
IV 262, 1 ist von der Nordseite, ebenda 264 ff. n. 2 von der Süd-
seite der Bucht von Tristomo. Die Verschleppung erfolgte natürlich
in allen Fällen zur See, welche auch jetzt noch viel mehr als die
schwierigen Saumpfade die karpathischen Gebirgsdörfer verbindet.

Der Anlass, die Ehrenbasis des Nikagoras im karpathischen
(brykuntischen) Heiligthum aufzustellen, kann ein dreifacher gewesen
sein; entweder Nikagoras war ein Karpathier — zugleich Bürger des
rhodischen Gesammtstaates, des cnjuirac; öf]uoc; und somit für ein rho-
disches Gemeindeamt wählbar —; oder seine Soldaten waren zum
größten Theil Karpathier (was aber durch nichts angezeigt wird) — ;
oder seine Kriegsthaten hatten eine besondere Bedeutung für Karpathos
resp. Brykus. Auch diese letzte Erklärung kann nicht den Anspruch
auf innere Wahrscheinlichkeit machen, die vielmehr dafür ist, dass es
sich durchaus um Unternehmungen in Karlen handelt. Nikagoras war
also vielleicht ein Karpathier, ein Bürger dieser mit Rhodos lange und
eng verbundenen Insel (vergl. Schumacher diss. 42).

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass man denselben Mann, der
im Kriege gegen Roms Feind solche Tüchtigkeit bewiesen, später nach
Rom als Gesandten schickte, um während des Krieges mit Perseus die
Gunst des mächtigen Staates trotz aller Umtriebe der römerfeindlichen
Partei zu erhalten (Pol. XXVIII 2, 1; 16, 5 — im J. 169). Dass
er mit seinen Bestrebungen zunächst keinen Erfolg hatte, ja, dass
die Hinneigung zu Perseus die Rhodier einen großen Theil ihres
auswärtigen Besitzes kostete, ist bekannt. Doch blieb die römerfreund-
liche Politik, die Nikagoras vertreten hatte, auch in der Folgezeit bei den
Rhodiern in Kraft und machte dieselbe namentlich in den mithrada-
tischen Wirren zu Vorkämpfern des wahren Hellenismus.*)

Athen, 26. October 1892

F. HILLER von GAERTRINGEN

* [Nachdem der vorstehende Artikel gesetzt war, machte der Verfasser Mit-
heilung- von der von ihm zu Rhodos aufgefundenen Grabschrift des Nikagoras, die
bereits in dem Buche von Biliotti l'ile de Rhodes 1881, S. 483 gedruckt ist. Wir
werden dieselbe im nächsten Hefte bringen. Danach stammte Nikagoras nicht aus
Karpathos, sondern aus dem lindischen Demos Ladarma. Die Redaotion.]
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