Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 16.1893

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1. Die fragmentierte Schale des Euphronios in Berlin nr. 2281
abgeb. Arch. Ztg. 1882 Taf. 3; Klein, Euphr. S. 160 und 176.

2. Die Schale des Brygos im Louvre abgeb. Heydemann, Iliupersis
Taf. 1; Wiener Vorlegeblätter VIII 4.

3. Eine nur durch Beschreibung bekannte Schale aus Orvieto,
vgl. Notizie degli scavi 1884 S. 184 nr. 9 (fälschlich als schwarzfigurig
beschrieben) und Bullettino 1884 S. 208 (Heibig).

4. Fragmente einer Schale im Cabinet des medailles in Paris
abgeb. Luynes, vases pl. 42; vergl. daselbst S. 23.

Von Gefäßen größerer Form, welche für unseren Zusammenhang
von Bedeutung sind, ist die unter dem Namen der Vivenziovase bekannte,
rothfigurige Hydria in Neapel (abgeb. bei Heydeinann, Iliupersis Taf. II 1,
nach Museo Borbonico XIV 41—43, und öfters)2) und der in den Mo-
numenti XI 14/15 veröffentlichte große Krater in Bologna hier anzureihen.

Die fragmentierte Schale des Euphronios hat bisher für die älteste
rothfigurige Darstellung der Iliupersis und überhaupt für die erste um-
fassendere Schilderung der Vorgänge bei der Einnahme Trojas auf
griechischen Vasen gegolten. Die schwarzfigurigen Gefäße geben, mit
Ausnahme der Berliner Amphora nr. 1685, welche die Ermordung des
Priamos und die Wiedergewinnung der Helena mit einander verbindet,
nur einzelne Episoden der Iliupersis wieder. Der Epiktetische Kreis
hat, wie sich Klein im Euphronios S. 168 ausdrückt, in Bezug auf
die Iliupersis-Darstellungen „Generalpause" ; nur durch ein paar Typen
skythischer Krieger, Amazonen etc. werde flüchtig die Thatsache mar-
kiert, dass es troische Stoffe gebe.3)

Inzwischen ist jedoch ein rothfiguriges Schalenfragment aus den
Aufschüttungen der Akropolis in der Ephemeris arch. 1885 Taf. 5, 3
veröffentlicht worden, welches das Vorhandensein von Iliupersis-

2) Die Vivenziovase ist ein Werk des Schalenmalers Onesimos. Den Beweis
im Einzelnen zu führen, muss ich für eine andere Gelegenheit aufsparen.

3) Die Iliupersis-Darstellung des Chachrylion, von welcher Klein, Euphr. S. 172
spricht, ist aus der Liste zu streichen, vgl. a. a. 0. S. 286 und Griechische
Meisterschalen S. 29 und Fig. Sa. — Übersehen hat Klein, dass eine Epiktetische
Schale auf einer der Außenseiten eine Einzelepisode der Iliupersis zeigt, welche
zwar nicht auf den späteren Iliupersis-Schaleu, aber auf dem Bilderfriese der Vivenzio-
Vase wiederkehrt. Auf der Schale des Museo Gregoriano II Taf. 85 (89 2) — Reisch,
Führer S. 290, ist Aineas, seinen Vater auf dem Rücken tragend, dargestellt; vor
ihm schreitet seine Frau. Zwei gewaffnete Krieger und ein barbarisch gekleideter
Mann mit einer Streitaxt zu beiden Seiten der Mittelgruppe sind nichts mehr als
Füllfiguren. Die andern Bildflächen der Schale behandeln andere Stoffe: den Drei-
fußraub des Herakles (außen) und eine Gelagscene (innen). Reisch ist geneigt, in
dieser Schale ein frühes Werk des Euphronios zu erkennen, nicht mit Recht, wie
ich glaube. Vielmehr zeigt die Darstellung alle Merkmale Epiktetischer Weise, aller-
dings der am weitesten entwickelten Stufe.
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