Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 16.1893

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P. J. Meier im Bullettino 1884 S. 45 dem Brygos zugewiesen worden,
eine Ansicht, die auch mir durchaus zutreffend erscheint (Grriech.
Meisterschalen S. 358). Auf den bei Luynes a. a. O. abgebildeten
Fragmenten sind vier Figuren erhalten, in denen Meier Menelaos die
Helena verfolgend und Odysseus eine troische Frau fassend erkennt.
Die Gewänder der Figuren sind in der bei Brygos beliebten Weise
punktiert, die Bewegungen sind lebhaft, die zeichnerische Ausführung
vorzüglich. Leider ist ein weiteres, zu derselben Schale gehöriges Frag-
ment unveröffentlicht geblieben und, wie es scheint, nicht, wie der größte
Theil der Luynes'schen Vasensammlung, in das Cabinet des medailles
in Paris gelangt. Der Herzog von Luynes beschreibt das Fragment
a. a. O. S. 23 mit den Worten: im petit morceau, qui ne se rattache
pas immediatement a celui-ci (d. h. an die auf Taf. 42 veröffentlichte

Scherbe), montre Priam arrache du pied de Taute! par Pyrrhus. Also
auch hier war die Priamos-Episode wie auf der Schale des Brygos im
Louvre, auf der Außenseite des Grefäßes dargestellt, nicht, wie bei
Euphronios, im Innenbilde.7)

Ebenfalls der Außenseite einer Schale gehören die drei beistehend
in Größe des Originales nach einer Zeichnung von F. Hauser abge-
bildeten Fragmente aus Orvieto an, welche, gleich dem verschollenen
Luynes'schen Fragmente, Beste der Priamos - Episode zeigen. Von

7) Die Worte des Duc de Luynes über das Fragment mit Neoptolemos und
Priamos erscheinen mir zu allgemein, um, wie es Heydemann, Iliupersis S. 35 thut,
hier eine besondere, der Darstellung des Lesches folgende Version der Sage anzu-
nehmen, wonach Neoptolemos den greisen König vom Altare hinwegschleifte und vor
dem Thore des Palastes ermordete. Wahrscheinlich fasste Neoptolemos den Priamos
nur an, wie auf der Vivenziovase und wie auf unserem unter Fig. 2o abgebildeten
Fragmente. — M. Mayer gibt in F. Noacks Aufsatz 'Aus der Anomia' S. 160 Anm. 1
an, das Fragment im Cabinet des medailles gesehen zu haben. E. Babelon ver-
mochte das Fragment 1893 nicht aufzufinden.

Fig. 2 a.
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