Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 16.1893

Seite: 137
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/archepigrmoeu1893/0151
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
137

Wenn bei Sikiric eine römische Brücke bestanden hat, so können
wir auch eine römische Ortschaft hier annehmen, und von ihr werden
diese Überreste herrühren; die Ära und der Sarkophagdeckel wurden
sicher hier bei der Erdgewinnung für die neue Straße gefunden, an
eine Verschleppung ist auch bei den anderen Gegenständen nicht zu
denken.

Tegare.

Bei Vsnjak bildet die Drina das Tegarsko polje einschließend
einen nach Südwesten offenen Bogen; hier auf dem Tegarer Felde be-
findet sich etwa eine halbe Stunde nordwestlich von der Gensdarmerie-
kaserne Tegare ein Hügel, der aus lauter Römersteinen zu bestehen
scheint, überall ragen aus dem Erdreich oder aus dem dichten Busch-
werk Reliefplatten und andere Denkmäler hervor. Leider herrschte
bei meiner Ankunft daselbst bereits Dunkelheit; ein Wachtfeuer ver-
mochte wenig Abhilfe zu bringen. Ich sah außer der unten angegebenen
Inschrift eine Ära ohne Inschrift und drei Reliefs: eines mit zwei, ein
zweites mit drei Protomae, und ein drittes, das oben zwei, in der
Mitte drei Brustbilder und unten drei sich an den Händen fassende
Gestalten zeigte. Herr Galkonovic versprach eine genaue Aufnahme
der Steine.

Platte aus Kalkstein ohne Umrahmung, rechts vollständig, Höhe
0*57, Breite 0'97, Dicke etwa 0*23, sie ist das rechte untere Ende
einer Inschrift, die sich über mehrere Platten erstreckte. Eine ganz
leicht zu bewerkstelligende Grabung würde wahrscheinlich die jetzt
fehlenden, eine links, voraussetzlich mehrere oben, zu Tage fördern.
— Mit Benutzung des Abklatsches gelang es etwa Folgendes zu lesen.

~~ iv v_/ u l

/ACftSVR&TVS
DFTETÖ5IÖBCC ©US <I> R
ANNISXXI1 MENS!
5 OETFILI OK ARISSI

Die Inschrift ist im oberen Theile, wenigstens in Zeile 2 und 3
ein Palimpsest. Die Zugehörigkeit der Reste von Zeile 1 habe ich
allerdings nicht genügend erkennen können, aber in Z. 2 und 3
kommen unter den größeren Buchstaben andere etwas kleinere zum
Vorschein. Eine zweite Hand hat einzelne Theile der ursprünglichen
Inschrift für einen neuen Text verwendet, andere Avohl mit Kalk aus-
gefüllt, der im Laufe der Zeit mehrfach abgefallen ist. Von derselben
zweiten Hand rühren, wie schon die Dimensionen zeigen, Z. 4—6 her.
loading ...