Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 16.1893

Seite: 156
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Ausgrabungen in Carnuntum.

Den Ausgrabungen des Jahres 1891 war die Aufgabe gestellt,
das sogenannte Heidenthor von Petronell als den größten der hier
vorhandenen Reste aus der Römerzeit genau zu untersuchen. Man
gieng dabei von der Annahme aus, dass das Denkmal an der Kreuzung
zweier Straßen gestanden habe, und wünschte den Verlauf derselben
zu ermitteln, da dieser für eine rationelle Durchführung der Grabungen
in größerem Umfange wesentlich schien. Es sollte dabei auf weithin
geführte systematische Versuchsgräben das Hauptaugenmerk gerichtet
werden. Auch durch andere Versuchsgräben sollte das Terrain
zwischen Petronell und dem Lager auf etwaige dort bestehende Ver-
bindungswege geprüft werden. Desgleichen regten einige im Pfarr-
und Casinogarten befindliche Sarkophage zu besonderen Nach-
forschungen an.

Die Untersuchung begann demgemäß beim Heidenthore und ihr
Resultat gehört zu den wichtigsten Erfolgen der diesjährigen Aus-
grabungen. Das Heidenthor befindet sich eine kleine halbe Stunde
Weges südwestlich vom Marktflecken Petronell auf einer rings
von Kornfeldern umgebenen kleinen Anhöhe und bildet jetzt eine
Ruine, deren Umriss sich schon von Weitem charakteristisch vom
Himmel abhebt. Zwei mächtige Pfeiler, der eine nördlich, der andere
südlich, beide durch einen schlanken Bogen verbunden, sowie zwei
in der Richtung der Axe des Bogens befindliche aneinander gelehnte
Mauerblöcke sind die über dem jetzigen Terrain befindlichen Reste des
ehemaligen Denkmales (Fig. 1). Fürsorgende Hände hatten vor 40 Jahren
diese von der Zeit arg mitgenommenen Reste durch Nachmauerungen
und Ausbesserungen vor dem Zerfalle bewahrt, der gewiss alle An-
haltspunkte für eine Wiederherstellung vernichtet hätte. Vor der Aus-
besserung schwebte das Denkmal sozusagen auf den Pfeilern, wie ältere
Zeichnungen dies darstellen, ein Beweis für die gute Construction und
die Vorzüglichkeit des verwendeten Materiales. Ausmauerungen waren
an den Pfeilern, am Bogen und den über demselben aufragenden
Theilen vorgenommen, auch einige an der Westseite in großer Höhe
befindliche gefährdete Theile durch Eisenverklammerungen geschützt
worden.

Schon während der ersten Versuchsgrabungen habe ich eine
genaue Vermessung der Ruine durchgeführt. Man ersieht aus der-
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