Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 16.1893

Seite: 193
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falls 18 cm, des Bodens 13 cm, alle anderen Größenverhältnisse sind
nicht mehr zu ermitteln. Das Ornament ist bekanntlich weit ver-
breitet, besonders auf den Grabmälern des Nordens, und kehrt merk-
würdig ähnlich in Syrien wieder, vergl. de Vogüe, Syrie centrale
Bd. I tab. III. Bloß im Grundgedanken ähnlich ist das flach gearbeitete
Ornament einer anderen, nur 8 cm starken, in nächster Nähe gefun-
denen Platte (abgebildet gleichfalls Fig. 28).

Zweifellos gehören beide Stellen, an denen gegraben wurde, einem
außerhalb der alten Stadt gelegenen Gräberfelde an. Dies ergibt sich
eben daraus, dass von 13 aufgedeckten Särgen 11 die nämliche Rich-
tung von Ost nach West, das Kopfende gegen Westen, zeigen. Auch
wissen wir, dass sich in dem jetzigen Friedhofe zahlreiche, wieder zur
Verwendung gekommene Särge befinden, die mit den obenerwähnten
gleich gerichtet sind: ein Beweis für die weite Ausdehnung der An-
lage, deren Grenzen zur Zeit nur zum Theil bekannt sind.

Von den Sarkophagen befand sich, wie auch die Form des De-
ckels A bestätigt, wenigstens der obere Theil unter freiem Himmel,
vielleicht standen die ganzen Steinsärge über der Erde. Jedenfalls
aber wurde die Leiche bei dieser Bestattungsart nicht verbrannt, son-
dern mit den zur Reise in die andere Welt für unentbehrlich gehalte-
nen Gegenständen versehen in den Sarg gelegt, welcher hierauf fest
verschlossen wurde. Nur aus der überirdischen Lage sind die durch-
wegs erfolgten Plünderungen erklärlich.

Herr Pfarrer Eisterer und Herr Ingenieur von Wachtl haben
dann noch eine Grabung auf der als Hutweide dienenden Gemeinde-
wiese östlich der Rundkapelle von Petronell geleitet. Die Grabung machte
uns mit einem neuen Stück des antiken Gräberfeldes bekannt. Durch
eine Reihe von Gräben (siehe Tafel III) förderte man mehrere Ziegei-
särge Z und Steinsärge S zu Tage, inmitten derselben aber mehrere
Mauerzüge: ein ziemlich tief hinabreichendes, fast quadratisches Fun-
dament B und einen weniger tief fundierten, ähnlich construierten Mauer-
zug A, der das Fundament umgibt, auf einer Schicht römischer Ziegel-
scherben steht, und oberhalb Reste römischen Ursprungs trug, die ge-
wiss nicht zufälliger Weise dahin gerathen waren. Auf der östlichen
Ecke lag ein Composit-Pilasterkapitäl, und in die westliche Ecke war
ein kleinerer Steinsarkophag eingefügt. Auf dem Mauerkerne B lag
eine Wandpilasterbasis von gleichen Größenverhältnissen wie das
Kapitäl auf der Ostseite der umschließenden Mauer. Schon dies be-
weist, dass die Mauer wie der quadratische Kern antik sind. Aller-
dings sind sie aus späterer römischer Zeit, da im südlichen Theile
der Anlage zwischen Fundament und Mauerzug ein Ziegelgrab zum

Archäologisch-epigraphische Mittheil. XVI, 2. 13
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