Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 16.1893

Seite: 196
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Vorschein kam und Reste von Nadeln u. dergleichen in größerer Tiefe
ausgehoben wurden. Westlich von dieser Mauer stieß man auf zahl-
reiche Architekturtheile, die in jeder Hinsicht zu den auf den Mauern
gefundenen passen. Die einzelnen Fragmente sind in den Figuren 29
bis 35 möglichst genau wiedergegeben. Man fand ein composites
Wandpilasterkapitäl in zwei identischen Exemplaren (Fig. 29, I), das
eine wie schon erwähnt auf der Umfassungsmauer östlich, das andere
westlich im Graben. Sie zeigen die Ausbildungsform der Anten-
kapitäle und stehen 52 cm von einander ab, der dazu gehörige Pilaster
ergibt sich mit 31 bis 32 cm Breite. Hiezu passten Fragmente zweier
Eckpilasterbasen (ebenda VI und VII), der Rest eines verjüngten, ge-
schwellten, und mit gewundenen Canelluren versehenen Säulen Schaftes
von circa 1 m Länge und 26 cm Durchmesser (Fig. 29, VIII) und
die Dimensionen einer Säulenbasis (Fig. 29, IX a. b), nebst dem
Reste einer gleichen zweiten. Alle diese Architekturtheile deuten mit
großer Wahrscheinlichkeit auf ein Denkmal hin, welches die Gestalt
eines Antentempels hatte.

Vom Architrav dieses Gebäudes wurde ein Stück gewonnen
(Fig. 29, II), das an seiner Vorderseite einen in Relief innerhalb eines
stehengebliebenen Rahmens eingetieften figürlichen Fries und darüber
ein Profil besitzt; die Unterfläche II c zeigt die Risse des Steinmetzen,
die Rückseite II d ist mit dem Relief eines Blattornaments geschmückt.
Paarweise neben einander gereiht sieht man auf der Stirnseite des
Architravs geflügelte Seepanther und unter ihnen Delphine. Hiezu
kam ein ähnliches Stück, welches bloß die Tatzen der Panther
zeigt (Fig. 29, III a) und an der Unterfläche (III b) dieselben Werk-
risse wie II c aufweist; ferner ein Eckstück (Fig. 29, V), auf dessen
Nebenseite ein nackter Knabe mit Füllhorn (?) und Fackel vor
einer Guirlande schwebt, (das Profil ist hier abgeschlagen und nur
der umrahmende Streifen vorhanden) und ein gleichprofiliertes Stück
(Fig. 29, IV), das nach dem Uberrest einer Guirlande derselben Bau-
seite wie Fig. 29, V a angehörte, wahrscheinlich der Front des Ge-
bäudes. Denn das Motiv der Seepanther dürfte, da es zweimal vor-
kommt, den Nebenseiten angehören, womit auch die bloß zum Theil
erfolgte Bearbeitung der Rückseite in Fig. 29, II d übereinstimmt.

Das Kranzgesimse sicher zu bestimmen ist leider nicht möglich,
da zwei Profile, XI und X, vorhanden sind. Das in Fig. 30, XI darge-
stellte dürfte in den Ausmaßen besser passen wie jenes in Fig. 29, X,
welches noch Spuren einer Giebelwand aufweist. Das Fragment XI
a, b, c stellt einen Ecktheil des Gesimses vor. In der Ansicht a be-
merkt man dasselbe Profil, welches im Bruchstück XI d vorkommt;
beide gehören wegen der Übereinstimmung in Form und Größe zusammen,
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