Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 16.1893

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unbärtigen Mannes und einer neben ihm stehenden Frau; der Mann hält
in der Linken eine Rolle und gibt der Frau seine Rechte (Fig. 35).

Von sonstigen Gegenständen, die im Schutte verstreut lagen, sind
zahlreiche kleine Lampen und Thongefäße zu erwähnen, ferner ein
silberner und ein kleiner goldener Ring, auch mehrere gut erhaltene
Münzen. In einem aus Steinplatten zusammengefügten Sarkophage
wurden nebst Geripptheilen ein hübscher Thonkrug und auf dem
Boden ein Ornamentstück gefunden. Daneben lag die oben erwähnte
Stele (Fig. 31, XXVII) und ein bronzenes Armband in Form einer Schlange.
Innerhalb der Mauern wurden zu Tage gefördert zahlreiche Fragmente
von Gefäßen aus terra sigillata mit Firmenbezeichnungen, ferner bronzene
und elfenbeinerne Nadeln, glasierte und gläserne Trinkgefäße und
Reste von verschiedenen, gebrannten und ungebrannten Thongefäßen,

Fig. 35. V20 natürlicher Größe.

auch einzelne Bronze- und Eisentheile. Weitere Einzelfunde sind eine
kleine Thonlarve circa 6 cm hoch und breit, ein kleines Bronze-
Amulet mit Öse, ein viereckiges Marmorstück in Größe und Gestalt
eines Briefbeschwerers wahrscheinlich vom Sockel einer Figur, mehrere
Bronzelöffel und Griffel, eine kleine durchlochte Bronzeschale 5 cm
im Durchmesser und zwei große Elfenbeinnadeln. Sämmtliche Gegen-
stände befinden sich derzeit in einem abgeschlossenen Räume des
gräflich Traun'schen Schlosses in Petronell.

Die beschriebenen Architekturfragmente gehören nachweislich
dem Oberbaue eines Gebäudes an. Dass das Fundament desselben
Völliff verschwunden sein sollte, während immerhin zahlreiche Stücke
des Oberbaues sich erhielten, wäre eine Annahme, die sich von selbst
verbietet. Im ganzen Umkreis der Grabung sind keine anderen Mauern
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