Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 16.1893

Seite: 205
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Epigraphisehe Funde

Die im Jahre 1890 ausgeführte Bloßlegung der an dem Amphi-
theater vorbeiführenden Straße und der Baulichkeiten zwischen Straße
und Amphitheater hat auch einige inschriftliche Reste ergeben, darunter
das nachstehend in 1/5 der natürlichen Größe nach dem Original abge-
bildete Stück. Ich bemerkte es im Vereinsmuseum und erfuhr dann
durch Vermittlung des Bauraths Hauser von dem Architekten Thrul,
der für ihn die Arbeiten bei der erwähnten Bloßlegung beaufsichtigt
hatte, es sei 'außerhalb des Amphitheaters in den Anbauten zunächst
der sogenannten kaiserlichen Loge (Mitte der südlichen Seite der
Cavea, s. Plan diese Zeitschrift XIV S. 163) gefunden worden'; die
Fundstelle ist ein paar Schritte östlich. Durch diese Fundnotiz erhält
eine Vermuthung, die mir in den Sinn gekommen war, einen hohen
Grrad von Wahrscheinlichkeit und damit das anscheinend geringfügige
Bruchstück besondere Wichtigkeit.

Das Stück gehört zu einer oben mit einem Rande eingefassten,
auf der Rückseite eben so sorgfältig wie auf der Vorderseite geglätte-
ten Platte aus Leithakalk von etwa 8 cm Dicke. Links scheint das
ursprüngliche Ende erhalten und ebenso vielleicht unten die ur-
sprüngliche Endlinie, während oben und rechts Stücke weggebrochen
sind. Jetzt beträgt die größte Breite etwa 0*30 m, die größte Höhe
etwa 0*25 m. Aber die ganze Inschrift muss, wie die geringen Reste
lehren, eine beträchtliche Ausdehnung gehabt haben. Erhalten ist
von derselben aus der ersten Zeile in etwa 13 cm hohen Buchstaben

L P • X-

Der Punkt rechts ist, obwohl die Bruchlinie hindurch geht, völlig
sicher. Zweifellos ist zu erkennen ijmp. X; wir haben also hier die
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