Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 16.1893

Seite: 218
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Dies ist zu wenig, als dass eine Ergänzung mit einiger Wahr-
scheinlichkeit möglich wäre. Glücklicher Weise bedarf das wichtige
und überraschende Ergebnis der Ausgrabungen, dass das bekannteste
römische Denkmal unserer Gegenden und gewissermaßen das Wahr-
zeichen von Petronell ein Grabdenkmal sei, keiner epigraphischen
Bestätigung mehr, sondern ist dadurch sicher, dass es' sich auf einem
Gräberfeld befand und in seiner Mitte auf dem ursprünglichen Boden
eine für eine Statue geeignete runde Basis stand. Ein entsprechendes
Denkmal ist unter anderen das in dem Graef'schen Artikel über
Triumph- und Ehrenbögen bei Baumeister III S. 1888 n. 42 beschrie-
bene mit dem Grundriss auf Tafel LXXX n. 15. Es ist dies gleich-
falls ein nach 4 Seiten offener Bogen (ianus), und vor seiner Haupt-
front dicht an dem Pfeiler stehen zwei große Statuenpostamente, von
denen eines noch die Inschrift trägt (C. I. L. II 884):

bolosea/- fidio

p e ll i • f m a CRI-F
M-FIDIVS-MACEi,'

Testamento • F- c

also Bolosea[e] Pelli f(iliae); Fidio Macri f(ilio) M. Fidius Macer
testamento f(aciendum) c(uravit).

M. Fidius Macer, der voraussetzlich die Errichtung dieses
Grabdenkmals in seinem Testamente angeordnet, hatte in demselben
auch bestimmt, dass am Denkmal die Statuen der Bolosea und des
Fidius, die Hübner mit Wahrscheinlichkeit für seine Eltern hält, an-
gebracht würden. Seine eigene Statue stand vielleicht, wie man nach
dem neuen Ergebnis vermuthen möchte, in der Mitte. Wenn beim
Heidenthor das kleine inschriftliche Bruchstück überhaupt zu der oder
einer für das Denkmal bestimmten Inschrift gehörte, so könnten die
Reste von Z. 2 etwa zu

filio et sijbi mfonumentum fecit

ergänzt werden. Aber es ist auch leicht möglich, dass es von einem
als Baumaterial wieder verwendeten älteren Inschriftstein herrührt.
Weit wichtiger wäre wohl, könnte man die ursprüngliche Stelle der
vom Heidenthor stammenden und als Schenkung des vor einigen Jahren
verstorbenen Widter jetzt im Hofmuseum befindlichen Platte ermitteln,
deren Inschrift C. I. L. III 4496a ungenau abgedruckt ist; berichtigt
ist die Lesung im Suppl. p. 1771 n. 11097. Denn die Beschaffenheit
der Platte (sie ist oben nur 0*11 dick, die Rückseite ist unregelmäßig
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