Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 16.1893

Seite: 219
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und rauh, beide Seiten zeigen keinen Bruch, sondern scharfen Schnitt,
der unten erhaltene Rand springt weit vor und hat ein breites Orna-
ment aus einer Tropfen- und einer Blattreihe) scheint zu beweisen,
dass sie nicht ein zum Bau gebrauchtes Stück einer Basis ist, sondern
dass sie von Anfang an für eine Baulichkeit wie das Heidenthor be-
stimmt war. Auch passt die Form der Buchstaben etwa für die Mitte
des 3. Jahrhunderts. Für jetzt begnüge ich mich, die Inschrift der
Platte herzusetzen:

p- ADA V Ch

|vgi st r i-c wi'kr

|n o rv-ce ntonari

o r v • i • s • p-

also, wie Mommsen erkannt hat, etwa .... lulius \ Vjale(n)s e[t Fla-
vi\u]s Adaucftus \ mjagistri col(legii) vefte ra]noru(m) centonari oru(m)
i(mpensis) s(uis) p(osuerunt.

Von Inschriften, die in den Jahren 1890 und 1891 in oder bei
Carnuntum außerhalb der Vereinsgrabungen gefunden worden sind,
sind einige aus dem Steinbruch am sogenannten Quadenwall be-
merkenswert, die Herr Karl Hollitzer, wie die früheren Funde von
dort, nach dem Vereinsmuseum hat bringen lassen. Dieselben beweisen,
dass auf dieser Höhe in römischer Zeit eine militärische Anlage be-
standen hat. Es sind dies außer einer Sichel mit der deutlichen
Marke drei Steinblöcke a. b. c, die im Ganzen nur roh behauen
sind, aber am unteren Ende der Vorderfläche an einer geglätteten
Stelle eine Bezeichnung tragen (vgl. C. III S. 11245).

Auf dem einen a, 0*68 hoch, 0'40 breit, O80 dick, steht 10 cm
vom unteren Ende in 8 cm hohen Buchstaben

l X

Auf b, 0-45 hoch, 0*54 breit, 0*43 dick, an entsprechender Stelle,
9 cm vom unteren Ende in 9 cm hohen Buchstaben

l • X •

Von dem dritten c haben wir nur das untere 0*20 hohe, 0*29
breite, 0*15 dicke Stück; darauf steht in 9 cm hohen Buchstaben,
11 cm vom unteren Ende

LXII1|

Augenscheinlich tragen a und b, ebenso wie die anscheinend an
gleicher Stelle gefundene Sichel, das Zeichen der in Wien stehenden
lOten Legion, c das der Legion von Carnuntum selbst, der 14ten.
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