Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 16.1893

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vermuthet, es sei damit der für diese Centurie im Lager abgesteckte
Raum, die pedatura bezeichnet worden. Eine gewaltige Menge von
Inschriften, die größtentheils völlig entsprechen, zum Theil sich so
unterscheiden, dass statt einer Centurie eine Cohorte oder eine Legion
oder eine Vexillation einer solchen genannt wird, ist in Britannien
gefunden worden, hauptsächlich längs des Hadrianswalls, aber auch
an manchen andern Stellen, theils bei Lagern und Castellen, theils
entfernt von solchen. Für diese britannischen Inschriften hat McCaul
die der Mommsen'schen entsprechende Erklärung aufgestellt (s. Bruce
lapidarium septentrionale p. 37), indes überwiegend gilt die Horsley-
sche Erklärung, die auch durch mehrere Umstände, z. den zuweilen
vorkommenden Zusatz f(ecit), bestätigt wird, dass diese Steine die von
den einzelnen Abtheilungen ausgeführten Arbeiten bezeichnen. Für
die Carnuntiner Exemplare hilft vielleicht der neue Stein. Hier steht
in der 3. Zeile deutlich volentes. Wäre hier, wie auf den beiden andern
Steinen, das Cognomen des Centurio zu erkennen, so müsste man
einen Fehler annehmen, E statt I. Auch ist, soweit ich sehe, Volens
als Cognomen ungebräuchlich (ich kenne keinen sichern Beleg), ande-
rerseits wäre es wohl nicht sehr anstößig, dass der commandierende
Centurio nur mit Vor- und Gentilnamen bezeichnet wäre. Ich möchte
daher meinen, dass volentes nicht anzutasten sei. Dann kann der Sinn
wohl nur sein, dass die durch die beiden ersten Zeilen bezeichneten,
die Soldaten dieser Centurie etwas freiwillig gethan haben. Damit
scheint die für die britannischen Steine überwiegend angenommene
Erklärung5) auch für die Carnuntiner gesichert.

Von den schon früher am Steinbruch gefundenen Bruchstücken,
die ich Mittheilungen XII S. 173 n. 10. 11 publicirt habe (unten a. c),
ist die schon damals vermuthete Zugehörigkeit zu derselben Inschrift
sicher, es hat sich aber heraus- Ornament

a.

gestellt, dass noch ein drittes

Stück dazu gehört (b) und alle f1 I L |

drei so anzuordnen sind, wie unten \ §

angegeben ist. Die Buchstaben ^
sind in Z. 1 17 cm hoch, in Z. 2 b.
und ' ebenso in der drittletzten
scheinen sie etwa 13 cm hoch
gewesen zu sein, in der vorletzten
waren sie etwa 12, in der letzten
13-5 hoch (vgl. C. III S. 11204).

5) Neuerdings ist, wie ich eben sehe, für die entsprechenden rheinischen Steine
dieselbe Erklärung vertheidigt von Ritterling Westd. Zeitschr. XII (1893) S. 114.

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