Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 16.1893

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Ein anderer Beweis der Zusammengehörigheit beider Münzen
ergibt sich aus den Reverslegenden des Regalianus, welche mit AVGG
enden (Cohen 1. 8. 5). Dies beweist eine Mitregentschaft, unter der
aber hier wohl nur die der Gemahlin verstanden werden kann, wie
dies beispielsweise auch bei Aurelianus mit seiner Gemahlin Severina
vorkommt. Nach Trebellius Pollio war Regalianus dacischen Stammes
und angeblich Verwandter des Königs Decebalus. Derselbe Historiker
berichtet von ihm, dass er viele tapfere Thaten gegen die Sarmaten
verrichtete, aber auf Anstiften der Roxolaner im Einverständnisse mit
den Soldaten, und weil die Provincialen befürchteten, Gallienus möchte
schwere Rache üben, ermordet wurde. Es verdient hervorgehoben zu
werden, dass bisher fast alle Regalianus- und Dryantillamünzen nur
auf dem Gebiete von Carnuntum bis Brigetio gefunden wurden, viel-
leicht spielten daher die von Pollio erwähnten Kämpfe mit den Sar-
maten sich in Oberpannonien ab, dessen Hauptstadt Carnuntum war.
Immerhin sind auch hier Regalianus- und Dryantillamünzen noch große
Seltenheiten und dass sie in Massenfunden noch nicht vorgekommen
sind, lässt vermuthen, dass Gallienus nach Ermordung des Regalianus
diese überprägten Münzen widerrufen hat.

Nach Abschluss vorstehender Abhandlung wurde ich von meinem
langjährigen Freunde, Herrn Oberstlieutenant Otto Voetter, darauf
aufmerksam gemacht, dass in seiner an römischen Münzen des dritten
und vierten Jahrhunderts so reichhaltigen und wissenschaftlich geord-
neten Sammlung sich auch Antoniniane aus der Regierungszeit des
Kaisers Trajanus Decius (249—251) befinden, welche ganz wie die des
Regalianus und der Dryantilla auf Denare früherer Kaiser überprägt sind.

Es sind dies ein Antoninian des Sohnes Herennius Etruscus und
einer der Gemahlin Etruscilla. Ihre Publication in diesem Anhang
wird willkommen sein.

Tafel IV Nr. 12. Quintus Herennius Etruscus.
pmtrTRMES DECIVS NOB C Kopf rechtshin mit Strahlenkrone

und Paludamentum.
imp c mavr sev ale S AVGG Mercur linkshin stehend, mit Mercur-
stab in der linken Hand und Beutel in der rechten. (Pietas
Augg. = Augustorum.) Überprägung eines Denars von Se-
verus Alexander.
Tafel IV Nr. 13. Herennia Etruscilla.
antoninvETRVSCILLA AVG Kopf rechtshin auf Halbmond.
pietas REGINA Juno linkshin stehend, in der Linken ein langes
Scepter und in der Rechten eine Schale haltend; links zu
ihren Füßen ein Pfau.

Archäologisch-epigrapliische Mittheil. XVI, 2. 16
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