Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 17.1894

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Eber tödtende Löwen sind in grosser Anzahl nicht nur in der Um-
gebung von Micia, sondern anderwärts in Dacien, wie in den benach-
barten Provinzen und am Rhein gefunden worden. Jetzt lernen wir aus
dem Veczeler Grabmal, wie diese losen Bruchstücke zusammenzusetzen
sind. Bemerkenswert ist die Ähnlichkeit der Nischenform mit den
Kapellen, welche noch heute in unseren Friedhöfen errichtet werden.

Was die Bedeutung der Ornamente betrifft, so sind Schlange und
Pinienzapfen ohne Zweifel hier verwendet, weil der immergrüne Baum
und das jedes Jahr die Haut wechselnde Thier als Sinnbild der Un-
sterblichkeit angesehen wurden. Dies ist ihre Bedeutung in den orien-
talischen Culten. Orientalischen Ursprungs ist bekanntlieh auch das Bild
des Stier tödtenden Löwen, welches in Kleinasien auf Grabdenkmälern
zu finden ist.1) Es fragt sieh, ob die Thierköpfe einfach als hergebrachtes
Motiv wiederholt wurden, oder ob man noch einen tieferen Gedanken
damit verband. Letzteres dünkt mich an und für sieh wahrscheinlicher
und scheint durch ein Detail der Darstellung bestätigt. Der Leib des
Stieres ist nämlich, genau wie auf zahlreichen Mithrasreliefs dieser
Gegend, von einem breiten Riemen oder Gürtel umgeben. Es scheint
also, dass man das sogenannte Mithrasopfer mit diesem Siege des
Löwen über den Stier in Verbindung gesetzt hat. Die Bedeutung dieses
Thierkampfes ist aber trotz der gelehrten und geistreichen Ausführungen
Useners noch nicht ganz aufgeklärt.

Vinmiacium.

1. Pojarevatz (Passarowitz). Grosser Block aus weissem Marmor;
Br. 2*38, H. 0*23, D. 1*25. Früher auf dem Platz neben einer kleinen
Moschee; dient jetzt als Brunnenbecken im Hofe des Verwaltungs-
gebäudes. Auf den beiden sehmalen Seiten sind Sculpturreste sichtbar.
Die Figuren sind bis zum Knie erhalten, so dass man sehliessen kann,
dass von der auf der Vorderseite angebrachten Inschrift ungefähr drei-
viertel fehlen. Buchstabenhöhe 0-06 m.

AV R • FELICIANVS PR-LEGVIIG
CONIVGI • DIGNISSIMAE

. . . [vixit] .... diebu[s . . . , decessit hora n]octurn(a) VIT.
Aurielius) Fclicianus pr(inceps) legiionis) VII Cl{aiidiae) coniugi dignis-
simae.

*) Usener, De Iliadis carmine quodam Phocaieo, Bonnae 1875 p. 15.
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