Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 17.1894

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Eine attische Künstlerinschrift auf Gold.

Die Gegend von Civitä Castellana, des alten Falerii, hat in den
letzten Jahren viel Kostbares gespendet, besonders eine Fülle der
schönsten attischen Thongelasse, und mit Ungeduld erwartet man eine
Puhlieation der jetzt in Villa Papa Giulio vereinten Schätze. Aus
Civitä Castellana stammen auch mehrere Schmucksachen aus Gold, die
ich Anfang dieses Jahres im römischen Kunsthandel sah: drei an einer
Schnur aufreihbare Plättchen mit der Protome eines Seepferdes, eine
kleine runde Bommel, einige Platten von sehr dünnem Schaumgolde
und zwei schmale Streifen aus anscheinend reinem, unlegierten Golde,
mit folgenden Inschriften, die ich in der Grösse der Originale skizziere:

Die Schrift ist mit einem feinen Punzen einpunktiert und die Ver-
bindung der Punkte durch nachträgliche Pillen hergestellt, wenn dieselben
sich nicht etwa beim Einpunktieren von selbst ergeben haben sollten. Die
beiden Puchstaben, welche der Streifen a auf der Rückseite zeigt,
werden auch auf der Vorderseite sichtbar. Rechts und links, am Ende
ist ein kleines Doch durchgeschlagen, wohl zum Behufe der Be-
festigung, etwa an einem Goldkranz. Den reichen Schmuck, den die
Frauen von Falerii am Feste der Juno trugen, schildert noch Ovid
am. III 13, 25 folg.

Es besteht kein Zweifel, dass hier eine Künstlerinschrift vorliegt,
meines AVissens die erste attische auf Gold, die sich aus dem Alterthum
erhielt; denn ob ÜOPXAXO auf einem goldenen Sehwertbeschlage
der Krim i Antiquites du Bosphore Cimmerien pl. XXVI 2, Th. Reinach
S. 73) mit Furtwängler als Name des Vcrfertigers zu lesen sei, ist
mindestens zweifelhaft. Der AVechsel in drei- und vierstrichigem Sigma,
das schief gestellte Epsilon, die alte Form des Lambda führen auf die

a

Archäologisch epigraphische Mittheilungen XVII, 1.

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