Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 17.1894

Seite: 121
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/archepigrmoeu1894/0134
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
121

dass der Seher ihm nachträglich zeige, auf welche Weise dieselbe
erfolgt sei. Aber eine derartige Wiederholung des Hauptmomentes ist
durch die Sage nirgends bezeugt und würde gegenständlich wie künst-
lerisch nichtssagend sein. Mindestens sollte man erwarten, dass die
nachträgliche Belehrung des Glaukos nicht wieder innerhalb des Grabes
stattfinde. Geradezu unmöglich aber erscheint diese Deutung im Hinblick
auf die eigentümliche, sichtlich bedeutungsvolle Haltung, die der
Gestalt des Glaukos gegeben ist. Für einen blossen Zuschauer ist sie
zu unbequem und die mumienhafte Umhüllung des Körpers unver-
ständlich.

Die hockende Stellung ist das gewöhnliche Ruheschema des
Naturmenschen. Es ist daher eine leichtverständliche Ideenverknüpfung,
wenn man den Todten in gleicher Stellung die ewige Ruhe ruhen
lässt. Thatsächlich ist die Bestattung in kauernder Stellung nicht
nur bei den sogenannten Naturvölkern weitverbreitet (vergl. darüber
zusammenfassend Küchenmeister, Viertel]ahrschr. f. ger. Medicin p. 344;
von Nachrichten aus dem Alterthume Diodor III 33, 2 über die
aethiopischen Troglodyten), sondern auch im ganzen Umfange der
griechischen Welt vereinzelt nachgewiesen. Herodot IV 109 freilich
empfindet die Sitte als etwas Fremdes, wenn er von den lvbischen
Nomaden sagt: 'Jdrcxo'ja'. Zk too? ä-oüvrJ37.ovta? xa6a7rsp oi "EXkrpäQ zXy(v
Na57.[xa)vcov ouxoi oz %a6yj{Aevoo<; OaTrcooat xtX. Wegen der Kleinheit der
Gräber in den prähistorischen Nekropolen von Amorgos, die eine Be-
stattung in gestreckter Lage ausschliessen, hat Diimmler (athen. Mitth.
XI p. 17) solche in hockender Stellung angenommen.2) Gesichert ist
sie durch Skeletfunde in einem mykenischen Grabe (5E<p7j{x. äpy. 1888
p. 182; vergl. Tsountas, Muy.Tjvat p. 139) und in einem Grabe der
gleichen Epoche zu Epidauros (AsXttov 1888 p. 158). Für das Grab
von Vaphio hat sie Tsountas aus der Lage der Beigaben erschlossen
('E'fTjjJi. a.[jy. 1889 p. 149). Dieselbe Stellung haben Brückner und
Pernice an einem Skelette eines Dipylongrabes nachgewiesen (Athen.

■widerspricht. Die Grösse der Schlangen, welche Brückner veranlasst, eine mytho-
logische Deutung zu suchen, kehrt auf einer anderen Schale der Sammlung Branteghem
wieder (Tafel 40), wo sich ebenfalls eine Schlange gegen einen fliehenden Mann
aufrichtet. Brückner verwechselt sie mit der Glaukosschale, wodurch er offenbar
verleitet wurde, die Darstellung der Lekythos auf den gleichen Gegenstand zu
beziehen.

-) Uber die in nordafrikanisch°n Dolmens gefundenen Skelette in hockender
Stellung mit übereinandergeschlagenen Armen: Bevue arch. N. S. VIII p. 524.

9*
loading ...