Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 17.1894

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Mitth. XVIII p. 108 ). Über die gleiche Bestattungsweise in südrussischen
Gräbern vergl. Stephani, Compte-rendu 1860 p. XL3)

Eben dieses künstlich zugerichtete Schema des Hockens und die
Scenerie des Grabes lehren, dass es sich um die Wiedererweckung
des Glaukos handle. Auffallend ist es allerdings, dass seine Augen
geöffnet sind. Aber dieser Umstand erscheint als ein natürliches Aus-
drucksmittel des Künstlers, um anzudeuten, dass der Bestattete noch
Antheil am Leben habe, also im Scheintode begriffen sei.

Welcher Art aber war das Grab? Unmöglich kann einer jener
weissen, bienenkorbähnlichen TO'xßoi gemeint sein, wie sie auf Vasen
nicht selten vorkommen (Benndorf, gr. und sie. Vasenb. p. 32 und
Anm. 158) und neuerdings von Brückner in den Überresten eines bei
den Ausgrabungen beim Dipylon zutage geförderten, mit Stucküberzug
versehenen Tvmbos wiedererkannt worden sind (Jahrbuch VI p. 197
und athen. Mitth. XVIII p. 95 ff.). Diese erscheinen auf den Vasen
durchwegs als mit weisser Farbe ausgefüllte Halbovale und sind im
Verhältnis zur menschlichen Gestalt viel kleiner dargestellt. Es kann
kein Zweifel obwalten, dass der Maler ein Kuppelgrab wiederzugeben
beabsichtigte: meines Wissens die erste bildliche Darstellung eines
solchen und deshalb von Wichtigkeit, weil sie den Beweis erbringt,
dass die Bestimmung dieser Denkmäler als Gräber, wenigstens im
fünften Jahrhundert noch bekannt Avar, was Belger (Beiträge zur
Kenntnis der griech. Kuppelgräber p. 71 meines Erachtens ohne hin-
reichenden Grund in Abrede stellte. Der Umstand, dass die erste
literarische Notiz, die wir über diese Denkmäler bei Tansanias haben,
ihre ursprüngliche Bestimmung nicht mehr kennt, sondern in denselben
nach einer volkstümlichen Überlieferung 07]aaopoi sieht, berechtigt in
keinem Falle zu dem Schlüsse, dass diese Umdeutimg schon sieben Jahr-
hunderte alt und allgemein gewesen sei. Wenn Belger a. a. 0. p. 10
geneigt ist, Övjaaopöc; als Magazin aufzufassen, so beruht dies auf Ver-
kennung des poetischen Gehaltes der Volkssage; die Schatzsagen spielen
auf griechischem Boden keine geringere Bolle als in der germanischen
Märchenwelt ; wir hören von schatzhütenden Schlangen, von Schätzen,
die nächtlicherweile blühen, und vom Golde, das sich unter den Händen
des geäfften Besitzers in Kohle verwandelt (vergl. das Sprichwort:

Die meisten Kuppelgräber sind nicht unberührt auf uns gekommen;
leicht mag schon im Alterthume ein zufälliger Fund oder die Thätigkeit

3) Ungewiss ist, ob nicht auch eine oder die andre der Leichen in den Schacht-
gräbern von Mykenai in hockender Stellung beigesetzt war; vergl. Schliemann,
Mykenai, S. 240.
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