Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 17.1894

Seite: 137
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Strassen haben zweifellos über die dinarischen Alpen hinüber ins Innere
des heutigen Bosnien geführt; ihr Zweck war also die Erschliessung
des dalmatinischen Hinterlandes nach drei verschiedenen Richtungen
in nahezu »'leicher Tiefe.

Die erheblich geringere Länge der ersten dieser vier »Strassen,
die nur 77 römische Meilen misst, macht also bereits wahrscheinlich,
dass sie nicht bis ins Innere Bosniens sich erstreckt hat. Dies wird
dadurch bestätigt, dass trotz der überraschend grossen Z;ihl von Com-
municationen, die durch Ballif festgestellt sind, von Salona aus dennoch
nur die Unterbringung von drei ins Innere des Landes reichende!!
Strassen gerade mich möglich ist. Es empfiehlt sich daher nicht, durch
die Annahme einer vierten in derselben Richtung geführten Strasse
Schwierigkeiten zu schaffen. Von Salona aus kommen nämlich als
Übergänge über die dinarischen Alpen, die für Strassen geeignet sind,
nur der Prolog und der Pass von Ar/ano in Betracht, denn der Über-
gang bei Uniste (aus dem oberen Cetinathale) ist auch jetzt nur ein
Saumpfad. Es sind deren von den Römern auch späterhin nicht mehr
erschlossen worden und auch jetzt nicht mehr vorhanden. In dem
Stationenverzeichnis der Tabula erscheinen in dieser Gegend gleichfalls
nur zwei Gebirgsübergänge : in Alpe (Rio?) und der mons Bulsinius.2)
Von der ersten Passhöhe steigt man nach der Tabula über Aequum
(Citluk) nach Salona herab, sie entspricht daher sicherlich dem Prolog;
über den )nons Bulsinius kommt man von Bistue vetus nach der Station
ad Libros und von da über die Cetinabrücke bei Trilj ebenfalls nach
Salona. Demnach ist der mons Bulsinius entweder mit dem Pass von
Ar/ano zu identificieren oder, wie Kiepert mit Rücksicht auf die
Distanzangaben der Tabula angenommen hat, ein Übergang über die
nordöstlich des Busko plato sich erhebende Tusnica planina.

Diese Erwägungen, die zu der Annahme führen, dass die durch
Dolabella von Salona auf 77 Meilen Entfernung fertiggestellte Strasse
nicht ins Innere Bosniens geführt habe, werden nun durch andere
positivere Anhaltspunkte gestützt, die auch die Richtung der Strasse
zu bestimmen gestatten.

Aus der Bezeichnung ihres Endpunktes des [sum]mus mons Ditionum
ülcirus gewinnt man vor allem die Gewissheit, dass diese Strasse nur
bis zur Passhöhe der dinarischen Alpen gebaut worden ist. Der Prolog
und der Übergang von Arzano sind, von den früher angeführten Gründen
abgesehen, schon deshalb nicht mit dem mons Ulcirus zu identificieren,

2) Montebulsi beim Cosm. Ravennas p. 211, vergl. Kiepert formae orbis
antiqui Text zu Bl. XVII Anm. 35 und C. Müller zu Ptolemaeus II 16 S. 311.

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