Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 17.1894

Seite: 138
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weil ilivc Entfernungen von Salona beträchtlich geringer sind als
77 römische Meilen. Wir müssen also nach anderen von Salona nördlich
oder südöstlich, jedenfalls nach weiter entfernt gelegenen Pässen Um-
schau halten. Die südlich von Arzano vorhandenen sind dabei auszu-
schliessen, weil für sie überschreitende Strassen Narona und nicht
Salona als natürlicher Ausgangspunkt allein in Betracht kommen kann.
Der Möns Ulcirus ist daher ein nördlich des Prolog gelegener Übergang
über die dinarischen Alpen.

Dass Dolabella auch in dieser Eichtung eine Strasse angelegt hat.
ist von vorneherein sehr wahrscheinlich. Die Aufgabe, welche die
römische Reichsregierung nach dem Ende des dalmatisch-pannonisehen
Aufstandes zu lösen hatte, konnte nämlich nicht auf den Bau von
Strassen beschränkt werden, die von Salona aus in östlicher Richtung
über das Gebirge führten. Auch dessen AVestabhang nordwärts von
Salona war damals erst zu paeificierendes Land, wie die Eroberung
vod Andetrium, die erst im Jahre 9 gelungen war, und die Herstellung
der via Gabiniana von Salona aus dahin beweist. Es ist also auch aus
diesen Gründen anzunehmen, dass ausser der via Gabiniana noch eine
zweite der in den .Jahren 16—20 fertig gestellten Strassen von Salona
aus im allgemeinen in nördlicher Richtung gebaut worden ist.

Für ihre Anlage ist nun durch das Thal der Cetina ein in der
Bodenbeschaffenheit vorgezeichneter Anhalt gegeben. An der heutigen
Strasse, die über die Höhen am rechten Ufer des Flüsschens angelegt
ist, sind ferner Oitluk (Aequum CJL III p. 360. 1035. 1613) und
Vrlika (CIL III p. 361. 1035. 1062. 1618) als Fundorte römischer
Inschriften und Stätten grösserer Niederlassungen bekannt. Aequum ist
seit Claudius Colonie. NordAvärts des Prolog bieten endlich auf eine
beträchtliche Entfernung die dinarischen Alpen überhaupt nur einen
für eine Strasse geeigneten Pass — der Übergang bei üniste zählt aus
den früher angeführten Gründen nicht mit — von Knin aus führt
nämlich das Thal der Butisnica auf den Pass von Rastello di
Grab. Seine Identjficierung mit dem mons Ulcirus der Inschrift
Nr. 10156 darf nach den bisherigen Ausführungen dann als richtig
gelten, wenn die Distanzangabe stimmt.

Die heutige Strasse von Salona über Clissa, Diemo, Sinj, Citluk?
Vrlika, Knin bis Rastello di Grab misst nach den officiellen Marsch-
routenkarten des k. und k. Generalstabes genau 113 Kilometer, d. i.
76V3 römische Meilen, was in erwünschtester Weise zu der Angabe der
Inschrift stimmt. Von Salona bis Citluk sind allerdings verschiedene
Varianten möglich. Dass die Strasse nach dem Mons Ulcirus von Clissa
nach Muc und von da östlich nach Citluk geführt habe, ist aber deshalb
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